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Garten-Ratgeber

Ein Winterquartier für Igel herrichten

Tiere & Naturvon Kathrin Schendel7 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Igel Winterschlaf halten
  2. Was ein gutes Winterquartier ausmacht
  3. Einen Laub- und Reisighaufen anlegen
  4. Ein Igelhaus bauen oder aufstellen
  5. Gefahren im Herbstgarten beseitigen
  6. Hecken, Laub und Kompost: den Garten igelfreundlich lassen
  7. Wann ein Igel Hilfe braucht
  8. Richtig füttern: nur Wasser, keine Milch
  9. Häufige Fragen

Ein Igel braucht zum Überwintern vor allem eines: einen trockenen, windgeschützten und ungestörten Platz mit reichlich Laub, den Sie ab Oktober bereithalten und bis zum Frühjahr in Ruhe lassen. Ein befestigter Laubhaufen unter einer Hecke erfüllt das ebenso gut wie ein selbst gebautes Igelhaus. Gesunde Igel versorgen sich selbst – Ihre Aufgabe ist es, den Garten sicher und unaufgeräumt genug zu machen.

Igelhaus aus Holz und Laubhaufen als Winterquartier am Gartenrand
Igelhaus aus Holz und Laubhaufen als Winterquartier am Gartenrand

Warum Igel Winterschlaf halten

Igel ernähren sich von Käfern, Raupen, Regenwürmern, Schnecken und anderen Kleintieren. Im Winter gibt es davon kaum etwas, deshalb überbrücken sie diese Zeit im Winterschlaf. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur stark ab, Herzschlag und Atmung verlangsamen sich, und sie zehren von den Fettreserven, die sie sich im Spätsommer und Herbst angefressen haben. Dass Igel „kein Fell“ hätten und deshalb frieren, ist übrigens ein Irrtum: Bauch und Gesicht sind behaart, der Rücken trägt Stacheln, die umgewandelte Haare sind. Der Grund für den Winterschlaf ist der Nahrungsmangel, nicht die Kälte allein.

Wann Igel sich zurückziehen, hängt von Witterung und Alter ab. Meist gehen zuerst die erwachsenen Männchen in den Winterschlaf, oft im Oktober oder November, danach die Weibchen und zuletzt die Jungtiere, die ihre Reserven noch aufbauen müssen. Je nach Temperatur erwachen sie ab März oder April wieder. Zwischendurch wachen Igel gelegentlich kurz auf und wechseln manchmal sogar das Nest – das ist normal.

Was ein gutes Winterquartier ausmacht

Ein Igel baut sein Winternest selbst. Er trägt Laub zusammen und schichtet es zu einer dichten, mehrlagigen Kugel, die ihn isoliert. Was er dafür braucht, ist ein geschützter Platz und genügend Material in der Nähe.

  • Trocken. Staunässe und Regen, der ins Nest läuft, sind gefährlicher als Kälte.
  • Windgeschützt und schattig. Unter Hecken, dichten Sträuchern, Reisighaufen oder an einer geschützten Hauswand. Direkte Sonne im Winter lässt den Igel zu oft aufwachen.
  • Ungestört. Weit weg von Wegen, Mülltonnen und Hundeauslauf.
  • Laub in Reichweite. Trockenes Laub von Laubbäumen ist das wichtigste Nistmaterial. Lassen Sie im Herbst deshalb einen Teil davon liegen, wie im Beitrag Laub sammeln und im Garten nutzen beschrieben.

Einen Laub- und Reisighaufen anlegen

Ein lockerer Laubhaufen allein wird vom Wind verweht und fällt bei Nässe zusammen. Mit einem Gerüst aus Ästen hält er den Winter über.

  1. Platz wählen. Eine ruhige, leicht erhöhte Stelle unter einer Hecke oder in einer Gartenecke, an der kein Wasser steht.
  2. Grundgerüst legen. Legen Sie einige dickere Äste kreuzweise auf den Boden und stellen Sie weitere schräg dagegen, sodass ein Hohlraum von etwa 30 × 30 cm entsteht.
  3. Mit Laub füllen und bedecken. Schichten Sie reichlich trockenes Laub in und um das Gerüst. Obendrauf kommen Reisig oder Tannenzweige, die das Laub festhalten.
  4. Einen Zugang lassen. An einer Seite bleibt eine Öffnung von etwa 10 cm, die Sie nicht zudecken.

Alternativ können Sie einen Ring aus Maschendraht mit Laub füllen und mit Reisig abdecken. Ein Totholzhaufen aus Schnittgut dient nicht nur Igeln, sondern auch Kröten, Käfern und Zaunkönigen als Unterschlupf.

Ein Igelhaus bauen oder aufstellen

Ein Igelhaus ist besonders dort sinnvoll, wo es wenig natürliche Verstecke gibt. Bewährt haben sich einfache Holzkisten aus unbehandeltem Holz mit einer Grundfläche von etwa 30 × 30 cm oder etwas mehr. Wichtig ist der Eingang: Ein Durchschlupf von rund 10 × 10 cm, der nicht direkt in den Schlafraum führt, sondern über einen kurzen Gang oder eine Trennwand, hält Katzen, Füchse und Zugluft fern.

Das Haus braucht keinen Boden aus Kunststoff und keine Farbe. Stellen Sie es auf ein paar Ziegel oder Latten, damit keine Feuchtigkeit von unten eindringt, decken Sie das Dach mit Dachpappe oder Folie ab und legen Sie Reisig und Laub darüber. So ist es besser isoliert und fällt kaum auf. Innen legen Sie etwas trockenes Laub hinein; den Rest trägt der Igel selbst ein. Stellen Sie das Haus bis Ende September auf, dann haben Igel Zeit, es zu erkunden.

Kontrollieren oder öffnen Sie das Haus im Winter nicht. Gereinigt wird es erst im Frühjahr, wenn es sicher leer ist, am besten ab Mai.

Gefahren im Herbstgarten beseitigen

Viele Igel sterben nicht an Kälte, sondern im Garten. Mit wenigen Handgriffen machen Sie ihn sicherer:

  • Mähroboter nicht in der Dämmerung und nachts laufen lassen. Igel rollen sich bei Gefahr ein, statt zu fliehen, und werden schwer verletzt.
  • Reisighaufen vor dem Verbrennen umschichten. Brauchfeuer und Osterfeuer sind eine bekannte Todesfalle. Besser ist es, Haufen erst am Tag des Feuers aufzuschichten.
  • Laubsauger und Freischneider vorsichtig einsetzen. Unter Hecken und in Laubhaufen können Igel schlafen.
  • Kellerschächte, Gruben und Teiche sichern. Ein Brett als Ausstiegshilfe oder ein flacher Uferbereich verhindert, dass Igel ertrinken oder verhungern.
  • Netze hochbinden. Lose Ballnetze und Obstnetze werden zur Falle.
  • Schneckenkorn sparsam und gezielt einsetzen. Mehr dazu lesen Sie unter Schneckenkorn richtig einsetzen.
  • Den Kompost im Winter nicht umsetzen. Auch dort überwintern gern Igel.

Hecken, Laub und Kompost: den Garten igelfreundlich lassen

Ein aufgeräumter Garten mit kurzem Rasen, Schotterflächen und dichten Zäunen bietet Igeln weder Nahrung noch Verstecke. Heimische Sträucher, Laubhaufen, Staudenreste und Totholz dagegen beherbergen Insekten, von denen Igel leben. Eine Vogelschutzhecke aus heimischen Sträuchern bietet beides.

Einen kräftigen Rückschnitt der Hecke dürfen Sie vom 1. Oktober bis Ende Februar vornehmen; im Sommerhalbjahr sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte erlaubt. Wer Igeln etwas Gutes tun will, lässt die Hecke im Herbst eher dicht und schneidet erst im Spätwinter. Bevor Sie schneiden, prüfen Sie den Fuß der Hecke auf Laubnester. Wie Sie dabei vorgehen, steht im Beitrag Hecke richtig schneiden.

Auch Zäune können zum Hindernis werden. Igel wandern nachts mehrere hundert Meter bis zu einigen Kilometern. Ein Durchschlupf von etwa 13 × 13 cm am Boden verbindet Ihren Garten mit denen der Nachbarn.

Wann ein Igel Hilfe braucht

Der Igel ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Sie dürfen ihn nur vorübergehend aufnehmen, wenn er verletzt, krank oder hilflos ist, und müssen ihn nach der Genesung wieder freilassen. Ein gesunder Igel gehört in keinem Fall ins Haus, auch nicht bei Frost. Ein Igel, der im Winter aus dem Haus geholt wird, verliert seinen Rhythmus und oft auch sein Quartier.

Hilfe brauchen Igel, die tagsüber umhertaumeln, apathisch in der Sonne liegen, sichtbar verletzt sind, Fliegeneier oder Maden am Körper tragen, abgemagert wirken (eingefallene Flanken, ein deutlicher „Hungerknick“ hinter dem Kopf) oder die bei Schnee und Dauerfrost noch unterwegs sind. Auch mutterlose, sehr junge Igel, die tagsüber herumirren, sind ein Notfall.

In diesen Fällen setzen Sie das Tier mit Handschuhen in einen hochwandigen Karton mit Zeitungspapier und Handtuch, stellen ihn warm, aber nicht heiß und wenden sich möglichst schnell an eine Igelstation, eine Wildtierhilfe oder einen Tierarzt, der sich mit Wildtieren auskennt. Wer auf eigene Faust pflegt, macht leicht Fehler: Igel brauchen oft eine Behandlung gegen Parasiten, und die Dosierung gehört in fachkundige Hände.

Richtig füttern: nur Wasser, keine Milch

Gesunde Igel müssen Sie nicht füttern. Im Spätherbst kann eine Zufütterung aber Jungtieren helfen, die bis zum Wintereinbruch noch zu leicht sind. Geeignet sind Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil, ungewürztes Rührei oder ungewürztes, gebratenes Hackfleisch, dazu eine flache Schale mit Wasser. Stellen Sie das Futter in einem Futterhaus auf, damit Katzen nicht mitfressen.

Milch ist für Igel gefährlich, weil sie Milchzucker nicht vertragen und schweren Durchfall bekommen. Obst, Nüsse, Brot, Speisereste mit Salz und Gewürzen gehören ebenfalls nicht auf den Speiseplan. Sobald der Igel im Winterschlaf ist oder keine Tiere mehr zum Futter kommen, stellen Sie die Fütterung ein.

Häufige Fragen

Wann sollte das Igelquartier fertig sein?

Möglichst bis Ende September, spätestens Mitte Oktober. Dann haben Igel Zeit, das Quartier zu entdecken und auszupolstern, bevor sie sich zurückziehen.

Darf ich einen Igel im Winter ins Haus holen?

Nur wenn er verletzt, krank, stark abgemagert oder hilflos ist, und dann am besten in Absprache mit einer Igelstation. Gesunde Igel bleiben draußen; sie sind für den Winter gerüstet, wenn sie einen geschützten Platz finden.

Wie erkenne ich, ob ein Igel mein Quartier nutzt?

Frische Kotspuren in der Nähe, ein platt getretener Zugang oder eingetragenes Laub sind gute Zeichen. Öffnen Sie das Quartier nicht, um nachzusehen – jede Störung kostet den Igel Energie.

Was fressen Igel im Herbst?

In der Natur Käfer, Raupen, Regenwürmer und andere Kleintiere. Wenn Sie zufüttern, dann Katzennassfutter, ungewürztes Rührei oder ungewürztes Hackfleisch und Wasser, nie Milch.

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