Einen Naturgarten anlegen und gestalten
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Ein Naturgarten setzt auf heimische Pflanzen, verzichtet auf Gift und Kunstdünger und bietet Tieren Nahrung, Unterschlupf und Wasser. Die wichtigsten Bausteine sind eine Wildhecke, eine Blumenwiese statt Rasen, heimische Stauden, eine Wasserstelle und ein paar bewusst unaufgeräumte Ecken mit Totholz, Laub und Steinen. Verwildert ist ein Naturgarten deshalb nicht: Er ist geplant, gepflegt und schön – nur eben nicht auf Kante geschoren.

Was einen Naturgarten ausmacht
Ein Naturgarten ist kein Garten, den man sich selbst überlässt. Ohne Pflege wächst in wenigen Jahren ein Gestrüpp aus Brombeeren, Brennnesseln und Gehölzsämlingen, das für die Artenvielfalt weniger bringt als ein bewusst gestalteter Garten. Die Idee ist eine andere: Der Garten soll möglichst vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten und dabei für Menschen schön und nutzbar bleiben.
Drei Grundsätze gelten dafür. Erstens: überwiegend heimische Pflanzen, weil viele Insekten auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Zweitens: keine chemischen Pflanzenschutzmittel, kein Mineraldünger, kein Torf. Drittens: Vielfalt an Strukturen – Hecke, Wiese, Wasser, Steine, Totholz, offene Bodenstellen. Je mehr unterschiedliche Kleinlebensräume, desto mehr Arten finden ihren Platz.
Planung: Sonne, Boden und Zonen
Bevor Sie pflanzen, sehen Sie sich den Garten an. Wo scheint den ganzen Tag die Sonne, wo liegt Schatten? Ist der Boden sandig und mager oder schwer und nährstoffreich? Viele Wildblumen gedeihen gerade auf mageren Böden besser als auf fettem Gartenboden. Eine artenreiche Blumenwiese etwa braucht eher nährstoffarmen Boden. Wie Sie Ihren Boden bestimmen, lesen Sie unter Den Boden im Garten richtig verbessern.
Bewährt ist eine Einteilung in Zonen: nahe am Haus die Bereiche, die man täglich nutzt – Terrasse, Kräuter, Gemüse –, weiter außen die wilderen Bereiche mit Wiese, Hecke und Totholz. So bleibt der Garten nutzbar, und die Tiere haben ungestörte Rückzugsorte.
Heimische Wildhecke statt Thuja
Eine Hecke aus heimischen Sträuchern ist das Rückgrat des Naturgartens. Sie bietet Vögeln Nistplätze, Insekten Nahrung, Igeln Unterschlupf und im Herbst Beeren. Geeignet sind Weißdorn, Schlehe, Hundsrose, Schwarzer Holunder, Kornelkirsche, Pfaffenhütchen, Eberesche, Hasel, Liguster und Wolliger Schneeball. Sie werden gemischt in zwei Reihen gepflanzt und nur alle paar Jahre abschnittsweise ausgelichtet. Pfaffenhütchen und die Beeren des Ligusters sind für Menschen giftig – bei kleinen Kindern im Garten sollten Sie das wissen.
Wie man eine solche Hecke plant, erklärt der Beitrag Die Vogelschutzhecke als Lebensraum. Thuja und Kirschlorbeer dagegen bieten heimischen Insekten kaum Nahrung.
Blumenwiese statt Rasen
Ein kurz geschorener Rasen ist ökologisch fast eine Wüste. Eine Blumenwiese dagegen blüht vom Frühjahr bis in den Herbst und ernährt Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer. Wer den Rasen nicht ganz aufgeben möchte, lässt Teilflächen stehen, etwa rund um Obstbäume oder am Gartenrand, und mäht dort nur zweimal im Jahr.
- Boden abmagern. Auf nährstoffreichem Boden die Grasnarbe abtragen und eventuell Sand einarbeiten, damit Gräser die Blumen nicht verdrängen.
- Regionales Saatgut wählen. Mischungen aus gebietseigenen Wildpflanzen, sogenanntes Regiosaatgut, sind an das Klima angepasst und für heimische Insekten am wertvollsten. Bunte Mischungen mit vielen einjährigen Exoten blühen im ersten Jahr üppig und sind danach meist verschwunden.
- Aussäen. Im Frühjahr (April bis Mai) oder Spätsommer (August bis September) dünn aussäen, andrücken, nicht mit Erde bedecken – viele Wildblumen sind Lichtkeimer.
- Geduld haben. Im ersten Jahr dominieren oft einjährige Arten, die typischen Wiesenblumen kommen erst im zweiten und dritten Jahr.
- Richtig mähen. Zweimal im Jahr, meist im Juni und im September. Das Schnittgut ein paar Tage liegen lassen, damit Samen ausfallen, dann abräumen. Liegen gelassenes Mähgut düngt den Boden und fördert wieder die Gräser.
Löwenzahn, Gänseblümchen und Klee im Rasen dürfen ruhig bleiben. Sie gehören zu den ersten Nahrungsquellen im Frühjahr.
Heimische Stauden in den Beeten
Auch im Naturgarten gibt es Beete, sie sind nur anders bepflanzt. Heimische und naturnahe Stauden wie Wiesen-Salbei, Natternkopf, Wilde Karde, Königskerze, Glockenblumen, Flockenblumen, Margerite, Blutweiderich, Wasserdost und Wilder Majoran sind wahre Insektenmagneten. Sie werden nicht in Reihen nach Größe gestaffelt, sondern in lockeren Gruppen gemischt, wie in der Natur.
Lassen Sie die Stängel im Herbst stehen. In hohlen Stängeln überwintern Wildbienen und andere Insekten, Samenstände ernähren Vögel. Geschnitten wird im Frühjahr, wenn der Neuaustrieb beginnt. Wer auf gefüllte Blüten verzichtet, tut Insekten ebenfalls einen Gefallen: Bei stark gefüllten Sorten sind Pollen und Nektar oft nicht erreichbar.
Wasser für Tiere
Wasser zieht Leben an. Ein naturnaher Teich mit flachen Uferzonen wird schnell von Libellen, Molchen und Fröschen besiedelt, Vögel trinken und baden darin. Wichtig ist ein flach auslaufendes Ufer, damit Igel und andere Tiere, die hineinfallen, wieder herauskommen. Fische gehören nicht in einen Naturteich – sie fressen Laich und Larven. Wie Sie einen Teich anlegen, lesen Sie unter Einen Gartenteich anlegen. Wer keinen Platz für einen Teich hat, stellt eine flache Vogeltränke auf und reinigt sie regelmäßig.
Unterschlupf: Totholz, Steine, Laub
In einem aufgeräumten Garten finden Tiere keine Verstecke. Ein paar gezielt unaufgeräumte Ecken ändern das:
- Totholzhaufen und Baumstümpfe bieten Käfern, Wildbienen und Pilzen Lebensraum.
- Laub- und Reisighaufen sind Winterquartier für Igel, Kröten und Insekten. Mehr dazu unter Ein Winterquartier für Igel herrichten.
- Trockenmauern und Steinhaufen in der Sonne sind Lebensraum für Eidechsen, siehe Lebensraum für Eidechsen schaffen.
- Offene, sandige Bodenstellen brauchen die vielen im Boden nistenden Wildbienen.
- Nistkästen und Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten ergänzen das Angebot. Eine Anleitung finden Sie unter Insektenhotel im Garten.
Igel, Eidechsen, Wildbienen und viele andere Gartenbewohner sind gesetzlich geschützt. Füttern sollten Sie Igel nur in Notfällen, etwa bei untergewichtigen Tieren im Spätherbst und nach Rücksprache mit einer Igelstation – ein naturnaher Garten mit Insekten, Würmern und Schnecken ist ihre beste Futterstelle.
Obst und Gemüse im Naturgarten
Ein Naturgarten kann auch ein Nutzgarten sein. Obstbäume, am besten robuste alte Sorten, bieten im Frühjahr Blüten für Bienen und im Herbst Fallobst für Igel, Vögel und Schmetterlinge. Das Gemüse wächst in Mischkultur, Beete werden mit Mulch bedeckt und mit Kompost gedüngt. Einfassungen aus heimischen Gehölzen oder Weidengeflecht passen besser als Buchs. Welche Gemüse sich gut vertragen, lesen Sie unter Perfekte Nachbarn im Garten: Mischkultur.
Pflege: weniger, aber gezielter
Ein Naturgarten macht nicht weniger Arbeit, aber andere. Der wöchentliche Rasenschnitt fällt weg, dafür muss gelegentlich ausgelichtet, abgeräumt und gejätet werden, damit starkwüchsige Arten wie Brombeere, Brennnessel oder Goldrute nicht alles überwuchern. Auf Wegen und Sitzplätzen darf durchaus Ordnung herrschen, in den Randbereichen darf es wild sein. Schnecken und Blattläuse regulieren sich mit der Zeit durch Vögel, Igel, Kröten, Marienkäfer und Florfliegen – das braucht aber ein, zwei Jahre Geduld.
Häufige Fragen
Wie lege ich einen Naturgarten an?
Mit einer Bestandsaufnahme von Sonne und Boden, dann in Schritten: Wildhecke pflanzen, Teile des Rasens in Blumenwiese umwandeln, Beete mit heimischen Stauden bepflanzen, eine Wasserstelle und Verstecke aus Totholz, Steinen und Laub schaffen. Sie müssen nicht alles auf einmal umbauen.
Macht ein Naturgarten weniger Arbeit?
Nicht unbedingt, aber andere. Mähen und Hecke schneiden werden weniger, dafür müssen wuchernde Arten im Zaum gehalten und Wiesenschnitt abgeräumt werden.
Welche Pflanzen gehören in einen Naturgarten?
Vor allem heimische Arten: Wildsträucher wie Weißdorn, Schlehe und Hundsrose, Wiesenblumen aus Regiosaatgut und Stauden wie Wiesen-Salbei, Glockenblume, Natternkopf und Wilder Majoran.



