Die Engelstrompete (Brugmansia sanguinea)
Inhalt11 Abschnitte
- Steckbrief: Brugmansia sanguinea
- Was die Rote Engelstrompete von anderen unterscheidet
- Der richtige Standort im Sommer
- Gießen und Düngen
- Kübel und Umtopfen
- Schneiden: die Blühzone schonen
- Überwintern: hell oder dunkel
- Schädlinge und Krankheiten
- Vermehrung über Stecklinge
- Stark giftig: was Sie wissen müssen
- Häufige Fragen
Die Rote Engelstrompete (Brugmansia sanguinea) ist eine besondere Vertreterin ihrer Gattung: Ihre hängenden Blütenröhren leuchten orangerot mit gelbem Grund, sie duften kaum, und sie mag es deutlich kühler als die üblichen Gartenhybriden. Als Kübelpflanze verbringt sie den Sommer draußen und überwintert frostfrei bei etwa 5–10 °C. Wichtig vorab: Wie alle Engelstrompeten ist sie in allen Teilen stark giftig.

Steckbrief: Brugmansia sanguinea
| Botanischer Name | Brugmansia sanguinea, früher Datura sanguinea; Familie Nachtschattengewächse |
| Deutscher Name | Rote Engelstrompete |
| Herkunft | Anden, von Kolumbien bis in den Norden Chiles, in kühlen Höhenlagen |
| Wuchshöhe | im Kübel meist 1,5–3 m |
| Blüte | röhrenförmig, hängend, orangerot bis rot mit gelbem oder grünlichem Grund, kaum Duft |
| Blütezeit | vor allem in kühleren Phasen: Frühsommer und Herbst |
| Standort | hell, luftig, im Hochsommer mit Schutz vor Mittagshitze |
| Winterhärte | nicht winterhart, Winterquartier 5–10 °C |
| Giftigkeit | stark giftig in allen Teilen, für Menschen und Tiere |
Was die Rote Engelstrompete von anderen unterscheidet
Die meisten Engelstrompeten im Handel sind Hybriden aus warmliebenden Arten wie Brugmansia suaveolens, B. versicolor oder B. aurea. Sie tragen große, trompetenförmige Blüten in Weiß, Gelb, Rosa oder Apricot, die abends stark duften, und sie blühen umso üppiger, je wärmer der Sommer ist.
Brugmansia sanguinea gehört dagegen zu den sogenannten kühlen Arten. Sie stammt aus Höhenlagen der Anden, wo es selten richtig heiß wird. Ihre Blüten sind schmaler, röhrenförmig und kleiner, dafür in auffälligem Orangerot mit gelber Basis. Sie werden in der Heimat von Kolibris bestäubt und duften deshalb kaum. Wer eine Engelstrompete für drinnen sucht, aber den schweren Abendduft nicht mag, ist mit ihr besser bedient als mit den Hybriden.
Die Kehrseite: In heißen Sommerwochen mit über 25–30 °C legt sie häufig eine Blühpause ein und wirft Knospen ab. Richtig in Fahrt kommt sie oft erst, wenn die Nächte im Spätsommer wieder kühler werden. Bemerkenswert ist auch, dass alle Engelstrompeten-Arten in der freien Natur als verschollen gelten und nur noch in Kultur vorkommen.
Der richtige Standort im Sommer
Ab Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr drohen, darf die Rote Engelstrompete ins Freie. Ideal ist ein heller, luftiger Platz mit Morgen- oder Abendsonne und leichtem Schatten in der Mittagshitze. Eine sonnige Südwand, an der sich die Wärme staut, ist für diese Art ungünstig. Windgeschützt sollte der Platz trotzdem sein, denn die großen, weichen Blätter reißen leicht.
Als Zimmerpflanze im engeren Sinn eignet sie sich nur bedingt. Sie wird schnell groß und braucht viel Licht. Gut aufgehoben ist sie im Sommer auf Terrasse oder Balkon und im Winter in einem kühlen Wintergarten oder einem frostfrei gehaltenen Gewächshaus.
Gießen und Düngen
Engelstrompeten haben große Blätter und verdunsten viel Wasser. An warmen Tagen braucht ein ausgewachsenes Exemplar im Kübel täglich Wasser, bei Hitze auch zweimal. Hängende Blätter am Nachmittag sind ein deutliches Durstsignal. Die kühle Rote Engelstrompete ist etwas genügsamer als die Hybriden, trocknen lassen sollten Sie den Ballen trotzdem nie. Staunässe ist ebenso schädlich – der Kübel braucht ein Abzugsloch und eine Drainageschicht, der Untersetzer wird nach dem Gießen geleert.
Alle Engelstrompeten sind Starkzehrer. Von April bis August düngen Sie wöchentlich mit einem Flüssigdünger für Blühpflanzen, beim Umtopfen im Frühjahr kann zusätzlich ein Langzeitdünger für Kübelpflanzen in die Erde. Ab September stellen Sie die Düngung ein, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen.
Kübel und Umtopfen
Junge Pflanzen wachsen schnell und werden jedes Frühjahr in einen etwas größeren Kübel gesetzt, ältere alle zwei bis drei Jahre. Ein zu kleines Gefäß trocknet im Sommer ständig aus. Verwenden Sie hochwertige, strukturstabile Kübelpflanzenerde. Ob Kunststoff oder Ton, ist Geschmackssache: Kunststoff hält die Feuchtigkeit länger und ist leichter zu bewegen, Ton steht standfester. Mehr zur Materialwahl lesen Sie im Beitrag über Pflanzkübel im Außenbereich.
Schneiden: die Blühzone schonen
Engelstrompeten blühen nur an Trieben, die oberhalb der ersten Verzweigung (der sogenannten Y-Gabelung) wachsen. Das gilt auch für B. sanguinea. Schneiden Sie deshalb nie unterhalb dieser Gabelung, sonst muss die Pflanze die Blühzone erst neu aufbauen, und die nächste Saison fällt mager aus.
Im Herbst kürzen Sie nur so weit, wie es der Platz im Winterquartier erfordert, und nehmen dabei vor allem überlange, weiche Triebe ein Stück zurück. Die Blühzone erkennen Sie übrigens auch an den Blättern: Oberhalb der Gabelung sind die Blatthälften meist ungleich, darunter symmetrisch. Ein kräftigerer Formschnitt ist im Frühjahr beim Ausräumen möglich. Tragen Sie beim Schneiden Handschuhe und reiben Sie sich nicht die Augen: Der Pflanzensaft kann die Pupillen erweitern.
Überwintern: hell oder dunkel
Engelstrompeten vertragen keinen Frost. Holen Sie die Pflanze herein, bevor die Nächte unter etwa 5 °C sinken. Es gibt zwei bewährte Wege:
- Hell und kühl bei 8–12 °C, etwa im Wintergarten oder hellen Treppenhaus. Die Pflanze behält einen Teil ihrer Blätter, die kühle Art blüht dort mitunter sogar weiter. Gießen Sie mäßig, sodass der Ballen nicht austrocknet.
- Dunkel bei etwa 5–8 °C, zum Beispiel im frostfreien Keller oder in der Garage. Die Pflanze wirft ihr Laub ab und ruht. Gießen Sie nur so viel, dass die Wurzeln nicht vertrocknen.
Im März oder April kommt sie heller und wärmer, bekommt mehr Wasser und treibt neu aus. Allgemeine Tipps zur Überwinterung finden Sie im Beitrag Kübelpflanzen richtig pflegen.
Schädlinge und Krankheiten
Engelstrompeten ziehen einige Schädlinge an, besonders im Winterquartier. Häufig sind Spinnmilben bei trockener, warmer Luft, außerdem Weiße Fliege, Blattläuse sowie Woll- und Schildläuse. Im Freien fressen Schnecken gern an jungen Blättern, Dickmaulrüssler kerben die Blattränder. Kontrollieren Sie die Blattunterseiten regelmäßig, spülen Sie Blattläuse und Milben mit einem kräftigen Wasserstrahl ab und setzen Sie bei starkem Befall ein zugelassenes Mittel aus dem Fachhandel ein. Wie man Spinnmilben gezielt loswird, zeigt der Beitrag zur Bekämpfung von Spinnmilben.
Gelbe Blätter im Sommer deuten meist auf Nährstoffmangel oder Wassermangel hin, fleckige, mosaikartige Blätter können auf eine Viruserkrankung hinweisen. Solche Pflanzen sollten Sie nicht vermehren.
Vermehrung über Stecklinge
Stecklinge bewurzeln bei Engelstrompeten zuverlässig. Schneiden Sie im Frühjahr oder Sommer 15–20 cm lange Triebstücke, möglichst aus der Blühzone, und entfernen Sie die unteren Blätter. Sie bewurzeln sich in einem Glas Wasser oder in feuchter Anzuchterde an einem hellen, warmen Platz innerhalb weniger Wochen. Stecklinge aus der Blühzone blühen früher als solche aus dem unteren Stammbereich. B. sanguinea bildet auch Samen, daraus gezogene Pflanzen brauchen aber mehrere Jahre bis zur ersten Blüte.
Stark giftig: was Sie wissen müssen
Engelstrompeten enthalten Tropanalkaloide wie Scopolamin und Atropin, in allen Pflanzenteilen, besonders in Samen und Blüten. Schon geringe Mengen können bei Menschen und Tieren zu schweren Vergiftungen führen – mit Herzrasen, Verwirrtheit und Halluzinationen. Stellen Sie die Pflanze nicht dort auf, wo kleine Kinder spielen oder Haustiere knabbern, und entsorgen Sie Schnittgut nicht dort, wo Tiere herankommen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung rufen Sie sofort den Giftnotruf an. Einen Überblick über weitere gefährliche Arten gibt der Beitrag Vorsicht: giftige Zierpflanzen.
Häufige Fragen
Duftet Brugmansia sanguinea?
Kaum. Die Rote Engelstrompete wird in ihrer Heimat von Kolibris bestäubt, die sich an Farbe statt Duft orientieren. Der schwere Abendduft ist typisch für die weißen und gelben Hybriden.
Warum blüht meine Rote Engelstrompete im Sommer nicht?
Bei großer Hitze legt diese Art oft eine Pause ein. Stellen Sie sie im Hochsommer etwas schattiger und luftiger; die Blüte setzt meist wieder ein, wenn die Nächte kühler werden.
Kann die Engelstrompete im Garten ausgepflanzt werden?
Für den Sommer ja, aber sie muss vor dem ersten Frost ausgegraben und frostfrei überwintert werden. Im Kübel ist das deutlich einfacher.
Wie tief darf ich die Engelstrompete zurückschneiden?
Nicht tiefer als bis knapp oberhalb der ersten Verzweigung. Darunter wachsen nur Blätter, keine Blüten.



