Frühling im Steingarten

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Im Steingarten beginnt der Frühling früher als im übrigen Garten: Schon ab Februar blühen dort Zwerg-Iris, Krokusse und Alpenveilchen, im März und April folgen Küchenschelle, Gänsekresse, Blaukissen, Steinkraut und Polster-Phlox. Die Steine speichern Wärme, der Boden trocknet schnell ab. Im Frühjahr ist außerdem die wichtigste Pflegezeit: Laub entfernen, hochgefrorene Pflanzen andrücken, Unkraut jäten und nach der Blüte zurückschneiden.

Warum der Steingarten früher blüht
Ein Steingarten liegt idealerweise in der Sonne, oft nach Süden oder Südwesten geneigt. Steine nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts langsam ab. Der durchlässige, mineralische Boden erwärmt sich schneller als schwere Gartenerde und trocknet nach Regen oder Schneeschmelze rasch ab. So entsteht ein kleines Mikroklima, das der Umgebung oft um Tage oder Wochen voraus ist.
Hinzu kommt die Herkunft vieler Steingartenpflanzen. Sie stammen aus Gebirgen, wo der Sommer kurz ist und jede warme Woche genutzt werden muss. Sie blühen deshalb, sobald es die Temperaturen erlauben. Das gilt für Trockenmauern, Steinbeete, Treppenränder und Pflasterfugen genauso wie für den klassischen Steingarten. Wie Sie einen solchen Garten neu anlegen, erklärt der Beitrag Einen Steingarten anlegen.
Die ersten Blüten: Februar und März
Zu den frühesten Blühern gehören Zwiebel- und Knollenpflanzen, die im Herbst gesetzt werden:
- Netz-Iris (Iris reticulata): kleine, blaue bis violette Blüten, oft schon im Februar, nur etwa 10–15 cm hoch.
- Krokusse, besonders die kleinblütigen Wildarten, die sich über die Jahre selbst ausbreiten. Mehr im Beitrag Krokusse – die ersten Frühlingsboten.
- Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) mit rosa oder weißen Blüten, verträgt auch Halbschatten.
- Schneeheide (Erica carnea), ein kleiner Zwergstrauch, der je nach Sorte von Winter bis April blüht und Kalk verträgt.
- Winterling und Schneeglöckchen an halbschattigen Rändern.
Im März folgen die ersten Polster und die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) mit ihren seidig behaarten, glockenförmigen Blüten in Violett, Rot oder Weiß. Sie ist in allen Teilen giftig und am Naturstandort besonders geschützt, im Handel gibt es sie aus Gärtnereikultur. Ein Porträt finden Sie unter Hingucker im Garten: die Küchenschelle.
Blütenpolster im April und Mai
Im April erreicht der Steingarten seinen Höhepunkt. Jetzt blühen die klassischen Polsterstauden, die ganze Steine überziehen:
| Pflanze | Blütenfarbe | Blütezeit | Standort |
| Gänsekresse (Arabis caucasica) | weiß, rosa | März–Mai | sonnig, durchlässig |
| Blaukissen (Aubrieta) | blau, violett, rosa, rot | April–Mai | sonnig, kalkverträglich |
| Felsen-Steinkraut (Aurinia saxatilis) | goldgelb | April–Mai | sonnig, trocken, kalkhaltig |
| Polster-Phlox (Phlox subulata) | rosa, rot, weiß, blau | April–Mai | sonnig, durchlässig |
| Schleifenblume (Iberis sempervirens) | weiß | April–Mai | sonnig, immergrün |
| Moos-Steinbrech (Saxifraga-Hybriden) | weiß, rosa, rot | April–Mai | halbschattig, frisch |
Größere Blüten bringen die Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila), Wildtulpen wie Tulipa tarda mit gelb-weißen Sternblüten und Traubenhyazinthen. Mehr über die bekanntesten Polster lesen Sie in den Beiträgen Das Blaukissen und Polsterstauden.
Frühblüher für schattige Steingärten
Nicht jeder Steingarten liegt in der vollen Sonne. An halbschattigen Stellen, etwa am Fuß einer Mauer auf der Nordseite, fühlen sich andere Arten wohl: Leberblümchen (Hepatica nobilis) mit blauen Blüten ab März, das Vorfrühlings-Alpenveilchen, der Moos-Steinbrech sowie kleine Farne wie Mauerraute oder Braunstieliger Streifenfarn. Diese Pflanzen brauchen etwas mehr Humus und Feuchtigkeit als die Sonnenkinder.
Auch Elfenblumen und kleine Funkien eignen sich für den schattigen Übergang zwischen Steingarten und Gehölzrand.
Pflege im Frühjahr: Schritt für Schritt
- Laub und Winterschutz entfernen. Nasses Laub auf den Polstern lässt sie faulen. Nehmen Sie es ab, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, ebenso aufgelegtes Reisig.
- Hochgefrorene Pflanzen andrücken. Frost hebt flach wurzelnde Polster und frisch gesetzte Pflanzen oft ein Stück aus dem Boden. Drücken Sie sie vorsichtig wieder an, sonst vertrocknen die freigelegten Wurzeln.
- Unkraut jäten. Im Frühjahr sind Unkräuter noch klein und lassen sich leicht ziehen. Wurzelunkräuter in den Polstern sind später kaum mehr herauszubekommen.
- Abgestorbenes ausschneiden. Vertrocknete Triebe und braune Stellen in Polstern schneiden Sie heraus, damit sich die Pflanze von innen erneuern kann.
- Splitt nachfüllen. Eine Deckschicht aus Kies oder Splitt schützt die Wurzelhälse vor Nässe und unterdrückt Unkraut. Ergänzen Sie sie, wo sie dünn geworden ist.
Düngen ist meist nicht nötig. Steingartenpflanzen sind an magere Böden angepasst. Zu viele Nährstoffe machen sie weich, mastig und anfällig.
Nach der Blüte zurückschneiden
Viele Polsterstauden verkahlen von innen, wenn man sie nie schneidet. Blaukissen, Gänsekresse, Steinkraut und Schleifenblume schneiden Sie direkt nach der Blüte um etwa ein Drittel bis die Hälfte zurück. Sie treiben dann kompakt nach und bilden neue, dichte Polster. Polster-Phlox verträgt einen leichteren Rückschnitt.
Bei Zwiebelblühern wie Iris, Krokus und Wildtulpe lassen Sie das Laub stehen, bis es gelb wird. Die Pflanzen ziehen daraus die Kraft für das nächste Jahr. Wer Samen wünscht, etwa von der Küchenschelle mit ihren silbrigen Fruchtständen, lässt einige Blüten stehen.
Schutz vor Spätfrost und Nässe
Die meisten Steingartenpflanzen sind frosthart. Probleme entstehen eher, wenn nach warmen Tagen noch einmal starker Frost kommt, während die Blüten schon offen sind. Dann schützt ein Vlies oder ein paar Nadelzweige über Nacht. Tagsüber nehmen Sie den Schutz wieder ab, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut.
Gefährlicher als Kälte ist Staunässe. Viele Alpenpflanzen sterben nicht im Frost, sondern in nassem, kaltem Boden. Ein durchlässiger Aufbau mit Drainageschicht und Splittabdeckung ist deshalb die beste Vorbeugung. Auch Schnecken werden im Frühjahr aktiv und fressen gern an jungen Trieben. Hinweise dazu gibt der Beitrag Schneckenkorn richtig einsetzen.
Neue Pflanzen im Frühjahr setzen
Das Frühjahr ist eine gute Pflanzzeit für Steingartenstauden aus dem Topf. Setzen Sie sie, sobald der Boden abgetrocknet ist, meist ab Ende März oder April. Pflanzen Sie etwas höher als im Topf, damit der Wurzelhals nicht im Nassen steht, und decken Sie die Fläche anschließend mit Splitt ab. Zwiebelblumen für das nächste Frühjahr kommen dagegen im Herbst in den Boden. Für Pflanzen in Mauerfugen gibt der Beitrag Mauern im Garten bepflanzen weitere Hinweise.
Häufige Fragen
Welche Pflanzen blühen im Steingarten zuerst?
Netz-Iris, Wildkrokusse, Vorfrühlings-Alpenveilchen und Schneeheide blühen oft schon im Februar. Im März folgen Küchenschelle und Gänsekresse, im April Blaukissen, Steinkraut und Polster-Phlox.
Wann schneidet man Blaukissen zurück?
Direkt nach der Blüte, meist im Mai. Ein Rückschnitt um etwa die Hälfte hält die Polster dicht und verhindert, dass sie von innen verkahlen.
Muss man einen Steingarten düngen?
In der Regel nicht. Die meisten Steingartenpflanzen sind an magere Böden angepasst. Höchstens bei stark zehrenden Arten oder alten Pflanzungen kann eine dünne Gabe Kompost im Frühjahr sinnvoll sein.
Wann legt man einen Steingarten am besten an?
Im Frühjahr ab März oder im Frühherbst. Dann wachsen die Pflanzen bei milden Temperaturen gut an, und Zwiebelblumen lassen sich im Herbst gleich mit einsetzen.



