Imkern und Honig gewinnen im Garten
Inhalt10 Abschnitte
- Ist Imkern das Richtige für mich?
- Der richtige Einstieg: Kurs, Verein, Pate
- Pflichten: Anmeldung, Seuchenschutz, Nachbarn
- Der passende Standort im Garten
- Ausrüstung und Kosten für Anfänger
- Das Bienenjahr im Überblick
- Varroa und Bienengesundheit
- Wie viel Honig ein Volk liefert
- Bienen und Wildbienen: ein Wort zur Konkurrenz
- Häufige Fragen
Imkern im Garten ist möglich, auch auf kleinem Grundstück – aber nicht als Deko, sondern als Tierhaltung mit Pflichten: Bienenvölker müssen beim Veterinäramt gemeldet, regelmäßig kontrolliert und gegen die Varroamilbe behandelt werden. Wer mit einem Anfängerkurs und einem erfahrenen Paten beginnt, kann schon im zweiten Jahr eigenen Honig ernten. Rechnen Sie in der Saison mit etwa einer Stunde pro Volk und Woche und mit einer Anfangsinvestition von mehreren hundert Euro.

Ist Imkern das Richtige für mich?
Bienen halten ist faszinierend: Ein Volk organisiert sich selbst, bestäubt Obstbäume und Beerensträucher in der Umgebung und liefert Honig, Wachs und viel Stoff zum Beobachten. Gleichzeitig ist es Tierhaltung mit festen Terminen. Von April bis Juli müssen Sie die Völker etwa alle sieben bis neun Tage durchsehen, um Schwärme zu verhindern. Im Spätsommer steht die Varroabehandlung an, danach das Einfüttern für den Winter. Urlaub in der Schwarmzeit ist schwierig, wenn niemand vertreten kann.
Klären Sie außerdem, ob Sie oder jemand in Ihrem Haushalt allergisch auf Bienenstiche reagiert. Stiche gehören beim Imkern dazu, auch mit Schutzkleidung. Eine bekannte Insektengiftallergie ist ein ernster Grund, das Vorhaben mit dem Arzt zu besprechen.
Der richtige Einstieg: Kurs, Verein, Pate
Der wichtigste Schritt vor dem ersten Volk ist ein Anfängerkurs. Viele Imkervereine und die Bieneninstitute der Länder bieten Kurse an, die ein ganzes Bienenjahr begleiten. Dort lernen Sie die Arbeiten im Jahreslauf, die Varroabehandlung und den Umgang mit dem Volk in der Praxis.
Treten Sie dem örtlichen Imkerverein bei. Dort finden Sie meist einen erfahrenen Imker als Paten, der Ihnen am Anfang über die Schulter schaut. Über den Verein bekommen Sie oft auch Völker aus der Region, eine gemeinsam genutzte Honigschleuder und Hilfe, wenn es einmal brennt. Anfänger starten häufig mit zwei Völkern: So können Sie vergleichen und ein schwaches Volk mit Brut aus dem starken unterstützen, wenn etwa die Königin verloren geht.
Pflichten: Anmeldung, Seuchenschutz, Nachbarn
In Deutschland müssen Bienenvölker vor Beginn der Haltung beim zuständigen Veterinäramt angezeigt werden, mit Anzahl und Standort. In den meisten Bundesländern kommt die Meldung bei der Tierseuchenkasse hinzu. Hintergrund sind Bienenkrankheiten wie die Amerikanische Faulbrut, eine anzeigepflichtige Tierseuche, die ganze Bienenstände bedrohen kann. Wer Völker kauft oder an einen neuen Ort bringt, braucht in der Regel ein Gesundheitszeugnis.
Bienenhaltung in Wohngebieten ist in üblichem Umfang meist zulässig. Ob im Einzelfall etwas anderes gilt, etwa durch einen Bebauungsplan, eine Gartenordnung im Kleingarten oder eine Hausordnung bei Dachstandorten, klären Sie vorher. Reden Sie mit den Nachbarn – ein Glas Honig im Herbst hilft der guten Nachbarschaft ungemein.
Der passende Standort im Garten
- Ausrichtung. Das Flugloch zeigt nach Möglichkeit nach Südosten bis Süden, damit die Morgensonne die Bienen früh ausfliegen lässt.
- Windschutz und Halbschatten. Eine Hecke oder Wand im Rücken, im Hochsommer mittags etwas Schatten.
- Flugbahn. Die Bienen sollten nicht direkt über Terrasse, Weg oder Nachbargrundstück abfliegen. Eine Hecke oder ein Zaun von etwa 2 m Höhe vor dem Flugloch zwingt sie, rasch aufzusteigen.
- Wasser. Bienen brauchen Wasser, vor allem im Frühjahr. Eine Tränke in der Nähe verhindert, dass sie sich am Pool oder an der Vogeltränke der Nachbarn bedienen.
- Zugang. Sie müssen die Beuten von hinten oder von der Seite bearbeiten können, mit Platz für Zargen und Werkzeug.
Die Beuten stehen auf einem stabilen Unterbau, damit sie nicht auf dem feuchten Boden stehen und Sie rückenschonend arbeiten können.
Ausrüstung und Kosten für Anfänger
| Beuten | Magazinbeuten aus Holz oder Kunststoff; wichtig ist ein im Verein verbreitetes Rähmchenmaß, damit Sie Waben tauschen können |
| Schutzkleidung | Imkerjacke oder Hut mit Schleier, Handschuhe für den Anfang |
| Werkzeug | Stockmeißel, Smoker, Bienenbesen oder Feder, Wabenzange nach Bedarf |
| Varroabehandlung | zugelassene Tierarzneimittel und passendes Zubehör, Gitterboden zur Kontrolle |
| Honiggewinnung | Entdeckelungsgeschirr, Schleuder, Siebe, Eimer; oft im Verein ausleihbar |
| Anfangsinvestition | mehrere hundert bis über tausend Euro für zwei Völker mit Zubehör |
Das Bienenjahr im Überblick
Frühjahr. Ab März, wenn Weiden und Obst blühen, wächst das Volk rasch. Sie kontrollieren an warmen Tagen, ob Futter und eine legende Königin vorhanden sind, und erweitern den Raum mit neuen Zargen.
Schwarmzeit. Etwa von Ende April bis Juli bereitet sich ein starkes Volk auf das Schwärmen vor: Es zieht neue Königinnen heran, und die alte zieht mit einem Teil der Bienen aus. Regelmäßige Durchsichten, das Brechen von Schwarmzellen und die Bildung von Ablegern verhindern den Verlust. Die Schwarmzeit klingt meist um die Sommersonnenwende ab.
Honigernte. Geerntet wird, wenn die Waben überwiegend verdeckelt sind und der Honig reif ist, typischerweise nach der Frühtracht im späten Frühjahr und nach der Sommertracht im Juli. Die letzte Ernte endet meist bis Anfang August.
Spätsommer. Direkt nach der letzten Ernte beginnt die Varroabehandlung, danach füttern Sie mit Zuckerlösung oder Futterteig ein, denn den Großteil des Honigs haben Sie entnommen. Die Wintervorräte sollten bis Ende September angelegt sein.
Winter. Das Volk bildet eine Wintertraube und wärmt sich gegenseitig. Stören Sie es möglichst nicht. In der brutfreien Zeit im Frühwinter folgt meist eine zweite Varroabehandlung.
Varroa und Bienengesundheit
Die Varroamilbe ist die größte Bedrohung für Honigbienen in Mitteleuropa. Sie vermehrt sich in der Brut, schwächt die Bienen und überträgt Viren. Ein unbehandeltes Volk bricht in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren zusammen – und steckt dabei Nachbarvölker an. Die Behandlung erfolgt mit zugelassenen Tierarzneimitteln nach Anleitung und wird im Bestandsbuch dokumentiert. Wie Sie den Befall messen und wann welche Methode passt, lernen Sie im Kurs; die Empfehlungen der Bieneninstitute werden laufend aktualisiert.
Wie viel Honig ein Volk liefert
Die Menge schwankt stark mit Lage, Witterung und Stärke des Volks. Der bundesweite Durchschnitt liegt je nach Jahr grob zwischen 15 und 35 kg pro Volk, einzelne Stände liegen weit darüber oder darunter, und in schlechten Jahren bleibt manchmal fast nichts. Im ersten Jahr mit einem jungen Volk ist oft noch keine nennenswerte Ernte möglich. Wer Honig verkauft oder verschenkt, muss die Vorgaben der Honigverordnung und des Lebensmittelrechts beachten, etwa bei Kennzeichnung und Hygiene.
Bienen und Wildbienen: ein Wort zur Konkurrenz
Honigbienen sind Nutztiere und nicht bedroht. Viele der über 500 Wildbienenarten in Deutschland sind es dagegen. Wo sehr viele Honigbienenvölker stehen und wenig blüht, können sie Wildbienen Pollen und Nektar streitig machen. Wer vor allem der Natur helfen will, fährt mit einem blütenreichen Garten, offenen Bodenstellen und Nisthilfen oft besser als mit einem eigenen Volk – wie das geht, zeigt der Beitrag Ein Insektenhotel im Garten.
Gute Bienenweide im Garten dient beiden: Obstbäume, Weiden, Kräuter wie Thymian, Salbei und Lavendel, Phacelia, Fetthenne und Astern im Herbst. Vermeiden Sie gefüllte Blüten, die kaum Nektar und Pollen bieten. Anregungen für einen artenreichen Garten finden Sie unter Einen Naturgarten anlegen und gestalten.
Häufige Fragen
Muss man Bienen anmelden?
Ja. Die Haltung von Bienen ist vor Beginn beim Veterinäramt anzuzeigen, in den meisten Bundesländern zusätzlich bei der Tierseuchenkasse. Der Imkerverein hilft bei den Formalitäten.
Wie viel Platz braucht ein Bienenvolk?
Die Beute selbst braucht nur etwa einen halben Quadratmeter, dazu Platz zum Arbeiten dahinter. Wichtiger als die Fläche ist, dass die Flugbahn nicht über Sitzplätze oder Nachbars Terrasse führt.
Wie viel Zeit kostet Imkern?
In der Saison etwa eine Stunde pro Volk und Woche, in der Schwarmzeit auch mehr. Im Winter ruht die Arbeit bis auf wenige Kontrollen und die Winterbehandlung.
Kann man im ersten Jahr schon Honig ernten?
Mit einem starken Volk ist eine kleine Sommerernte möglich, mit einem jungen Ableger meist nicht. Rechnen Sie mit der ersten richtigen Ernte im zweiten Jahr.



