Pflanzen und Pflege der Aprikose

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Aprikosen gedeihen auch in Deutschland, wenn sie einen warmen, sonnigen und windgeschützten Platz bekommen – am besten vor einer Südwand oder in einer milden Weinbaulage. Die größte Gefahr ist nicht der Winterfrost, sondern der Spätfrost während der frühen Blüte im März oder April. Mit einer robusten, spät blühenden Sorte, einem durchlässigen Boden und dem Schnitt direkt nach der Ernte haben Sie gute Chancen auf eigene, vollreife Früchte.

Warum sich die eigene Aprikose lohnt
Die Aprikose (Prunus armeniaca) wird seit Jahrtausenden kultiviert, stammt ursprünglich aus Zentral- und Ostasien und kam über Armenien und den Mittelmeerraum nach Europa. Die Früchte aus dem Handel werden meist früh gepflückt, damit sie den Transport überstehen, und reifen nie richtig aus. Vollreif vom Baum schmeckt eine Aprikose dagegen saftig, süß und würzig – ein Unterschied, den man nicht mehr vergisst.
Reife Aprikosen halten sich nur wenige Tage. Für den Vorrat werden sie getrocknet, eingekocht, als Marmelade verarbeitet oder entsteint eingefroren.
Robuste Aprikosensorten für den Garten
Entscheidend für den Erfolg ist die Sortenwahl. Gefragt sind Sorten, die spät blühen, mit unserem wechselhaften Frühjahr zurechtkommen und wenig anfällig für Krankheiten sind.
- Ungarische Beste ist ein altbewährter Klassiker mit mittelgroßen, aromatischen Früchten, selbstfruchtbar und in vielen Regionen erprobt.
- Kuresia gilt als besonders robust und relativ wenig krankheitsanfällig, blüht vergleichsweise spät und eignet sich auch für weniger begünstigte Lagen.
- Bergeron ist eine spät blühende französische Sorte mit festen, leicht säuerlichen Früchten, die gut zum Verarbeiten sind.
Die meisten Aprikosen sind selbstfruchtbar, ein einzelner Baum trägt also. Einige großfruchtige Neuzüchtungen brauchen allerdings eine Befruchtersorte, die gleichzeitig blüht. Fragen Sie beim Kauf in der Baumschule danach und lassen Sie sich Sorten nennen, die sich in Ihrer Region bewährt haben. Für Kübel und kleine Gärten gibt es zudem Zwergaprikosen, die nur etwa zwei Meter hoch werden.
Der richtige Standort
Aprikosen blühen sehr früh, oft schon im März. Ein Nachtfrost in dieser Zeit kann die gesamte Ernte vernichten. Deshalb sind zwei Dinge wichtig: Wärme und Schutz. Ideal ist ein Platz vor einer nach Süden oder Südosten ausgerichteten Hauswand, die tagsüber Wärme speichert und nachts abgibt. Frostsenken, in denen sich kalte Luft sammelt, sind ungeeignet.
Hilfreich ist ein Standort, der im Spätwinter nicht zu früh von der Sonne aufgeheizt wird. Das klingt widersprüchlich, hat aber einen Grund: Zu frühe Wärme lockt den Baum vorzeitig in die Blüte. In rauen Lagen ist daher eine Ostwand manchmal günstiger als eine pralle Südwand.
Wandspalier: die klassische Erziehung
Vor einer Hauswand wird die Aprikose am besten als Spalier gezogen. Die Äste werden fächerförmig an Drähten oder Latten befestigt, die etwa 10–15 cm von der Wand entfernt sind, damit Luft zirkulieren kann. So nutzt der Baum die Wärme der Wand optimal, und bei Frostgefahr lässt sich während der Blüte leicht ein Vlies überhängen. Wie ein Spalier aufgebaut wird, erklärt der Beitrag Spalierbäume.
Boden und Pflanzung
Aprikosen mögen einen warmen, durchlässigen und tiefgründigen Boden. Leichte Sand- oder Lehmböden mit guter Durchlüftung sind ideal. In nassen, kalten Lehmböden reifen die Triebe schlecht aus, die Bäume werden frostempfindlicher und neigen zu Gummifluss. Solche Böden verbessern Sie vor der Pflanzung mit Sand und Kompost oder weichen auf einen leicht erhöhten Standort aus. Hinweise dazu stehen im Beitrag Schweren Gartenboden verbessern.
Gepflanzt wird im Herbst oder, in rauen Lagen empfehlenswerter, im zeitigen Frühjahr. So läuft der junge Baum nicht mit frischen Wurzeln in den ersten Winter. Ein freistehender Baum auf schwach wachsender Unterlage braucht etwa 3,5 x 3,5 m Platz. Die Veredelungsstelle bleibt eine Handbreit über dem Boden, ein Pfahl stabilisiert den Baum in den ersten Jahren.
- Pflanzloch ausheben, etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen.
- Boden lockern und den Aushub mit reifem Kompost mischen.
- Pfahl setzen, bevor der Baum ins Loch kommt, damit die Wurzeln nicht verletzt werden.
- Baum einsetzen, Erde auffüllen, leicht antreten und kräftig angießen.
- Anbinden mit einem breiten, elastischen Band in Form einer Acht.
Düngen und Gießen
Bis der Baum eingewachsen ist, halten Sie die Erde gleichmäßig feucht. Später gießen Sie bei anhaltender Trockenheit etwa einmal pro Woche durchdringend, besonders während die Früchte wachsen. Eine gleichmäßige Wasserversorgung verringert auch das Platzen der Früchte.
Beim Dünger gilt Zurückhaltung. Im Frühjahr genügen etwa drei Liter reifer Kompost je Quadratmeter Baumscheibe, bei tragenden Bäumen ergänzt um eine Handvoll organischen Obstdünger. Zu viel Stickstoff fördert weiches Holz, das schlecht ausreift und im Winter leidet. Ab Mitte Sommer wird gar nicht mehr gedüngt.
Aprikosen schneiden – im Sommer, nicht im Winter
Aprikosen schneidet man direkt nach der Ernte im Sommer, etwa im Juli oder August. Dann verheilen die Wunden rasch, und das Risiko für Gummifluss und Pilzinfektionen ist deutlich geringer als bei einem Winterschnitt. In den ersten Jahren wird nur wenig geschnitten, um ein stabiles Kronengerüst aufzubauen. Später entfernen Sie abgetragenes, überaltertes Holz, nach innen wachsende und zu dicht stehende Triebe.
Aprikosen tragen an einjährigen Langtrieben und an kurzen Fruchtspießen am zwei- bis dreijährigen Holz. Wer sehr stark zurückschneidet, entfernt einen Großteil der Blütenknospen. Ein maßvolles, regelmäßiges Auslichten ist daher besser als ein radikaler Schnitt alle paar Jahre. Grundlagen finden Sie im Beitrag Obstbaumschnitt.
Spätfrost und Krankheiten
Bei angesagtem Nachtfrost während der Blüte legen Sie abends ein Vlies über Spalier oder Krone und nehmen es am Vormittag wieder ab, damit Insekten die Blüten bestäuben können. Kleine Bäume lassen sich so gut schützen, große kaum.
Die häufigsten Probleme:
- Monilia: Blüten und Triebspitzen welken und vertrocknen, später faulen Früchte am Baum. Befallene Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneiden und Fruchtmumien entfernen. Mehr dazu unter Monilia-Spitzendürre und Fruchtfäule.
- Schrotschusskrankheit: kleine Flecken, die später herausfallen und Löcher im Blatt hinterlassen. Sie betrifft viele Steinobstarten, siehe Schrotschusskrankheit bei Kirschen.
- Gummifluss: harzige Ausscheidungen als Zeichen von Stress durch Nässe, Frost, Verletzungen oder Winterschnitt.
- Plötzliches Absterben einzelner Äste: Bei Aprikosen welken manchmal im Sommer ganze Äste innerhalb weniger Tage. Die Ursachen sind vielschichtig, meist spielen Frostschäden und Pilze zusammen. Abgestorbene Äste großzügig herausschneiden.
Viele dieser Probleme lassen sich durch einen gut gewählten Standort, einen durchlässigen Boden und den Sommerschnitt deutlich verringern.
Ernte und Aprikosenkerne
Je nach Sorte und Lage sind Aprikosen von Juli bis August reif. Sie reifen nicht gleichzeitig, sodass Sie mehrmals durchpflücken. Reif ist eine Aprikose, wenn sie vollständig durchgefärbt ist, auf leichten Druck nachgibt und intensiv duftet. Im Kühlschrank halten reife Früchte nur wenige Tage.
Ein Hinweis zu den Kernen: Bittere Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, aus dem im Körper Blausäure entsteht. Knabbern Sie die Kerne nicht und lassen Sie Kinder nicht damit spielen. Weitere Obstbäume für den Garten finden Sie in der Rubrik Obst, zum Beispiel geeignete Süßkirschen-Sorten.
Häufige Fragen
Welche Aprikosensorte ist besonders robust?
Bewährt haben sich spät blühende und wenig anfällige Sorten wie Kuresia, Ungarische Beste und Bergeron. Lassen Sie sich in einer regionalen Baumschule zeigen, was in Ihrer Gegend gut funktioniert.
Braucht eine Aprikose einen zweiten Baum?
Meist nicht. Die meisten Aprikosen sind selbstfruchtbar. Einige neuere Sorten brauchen einen Befruchter, das steht im Sortenporträt.
Wann schneidet man einen Aprikosenbaum?
Im Sommer direkt nach der Ernte. Ein Winterschnitt erhöht das Risiko für Gummifluss und Pilzinfektionen.
Kann man Aprikosen im Kübel ziehen?
Ja, mit Zwergsorten in einem Gefäß ab etwa 40 Litern. Der Kübel steht im Winter geschützt an der Hauswand, und die Wurzeln brauchen Schutz vor starkem Frost.



