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Garten-Ratgeber

Die Kletterhortensie und Ihre Eigenschaften

Blumen & Staudenvon Christoph6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Steckbrief
  2. Aussehen und Blüte
  3. Gibt es blaue Kletterhortensien?
  4. Der richtige Standort
  5. Rankhilfe: nötig oder nicht?
  6. Pflege: Wasser und Dünger
  7. Warum die Kletterhortensie nicht blüht
  8. Schneiden und vermehren
  9. Überwintern im Garten und im Kübel
  10. Häufige Fragen

Die Kletterhortensie (Hydrangea anomala subsp. petiolaris) ist eine der wenigen Kletterpflanzen, die auch an schattigen Nordwänden zuverlässig blüht. Sie klettert mit Haftwurzeln selbstständig an Mauern und Bäumen empor, trägt im Frühsommer große, weiße Blütenschirme und ist in Mitteleuropa voll winterhart. Ihre Schwäche ist die Geduld, die sie verlangt: In den ersten drei bis fünf Jahren wächst sie langsam und blüht oft kaum.

Weiße Doldenblüte der Kletterhortensie mit vierblättrigen Randblüten
Weiße Doldenblüte der Kletterhortensie mit vierblättrigen Randblüten

Steckbrief

Botanischer NameHydrangea anomala subsp. petiolaris, oft auch Hydrangea petiolaris
HerkunftJapan, Korea, Ostrussland
Wuchssommergrüner Kletterstrauch mit Haftwurzeln
Wuchshöhemeist 5–10 m, an Bäumen auch mehr; ohne Stütze als breiter Busch 1,5–2 m
BlütezeitJuni–Juli, bei warmer Lage ab Ende Mai
Blüteweiße, flache Schirmrispen, 15–25 cm breit, leicht duftend
StandortHalbschatten bis Schatten, Sonne nur bei feuchtem Boden
Bodenhumos, frisch bis feucht, schwach sauer bis neutral
Winterhärtevoll winterhart
Giftigkeitgilt wie alle Hortensien als schwach giftig

Aussehen und Blüte

Die Blätter sind breit eiförmig, etwa 5–10 cm lang, fein gesägt und kräftig grün; im Herbst färben sie sich leuchtend gelb, bevor sie abfallen. Die Blüten stehen in flachen Schirmen: In der Mitte sitzen die kleinen, fruchtbaren Blüten, am Rand die großen, weißen Schaublüten, die keine Samen bilden, aber Insekten anlocken. Bienen und Hummeln besuchen die Kletterhortensie gern, denn die inneren Blüten liefern Nektar und Pollen.

Auch nach dem Laubfall hat die Pflanze etwas zu bieten. Die älteren Triebe bekommen eine zimtbraune, abblätternde Rinde und wachsen knorrig und waagerecht von der Wand ab. Die vertrockneten Blütenstände bleiben lange hängen und sehen mit Raureif besonders hübsch aus.

Gibt es blaue Kletterhortensien?

Nein. Die Kletterhortensie blüht immer weiß bis cremeweiß, und daran ändert auch ein saurer Boden nichts. Die bekannte Blaufärbung ist eine Eigenschaft der Bauern- und Tellerhortensien (Hydrangea macrophylla) und einiger naher Verwandter. Bei ihnen färben sich rosa Sorten blau, wenn der Boden sauer ist (etwa pH 4,5–5,5) und die Pflanze Aluminium aufnehmen kann. Weiße Sorten bleiben auch dort weiß.

Wer eine blau blühende Kletterpflanze für den Schatten sucht, wird bei Hortensien also nicht fündig. Wer eine Hortensie in Blau möchte, pflanzt eine rosa Bauernhortensie in saure Erde oder ins Moorbeet und gießt mit kalkarmem Regenwasser. Mehr dazu im Beitrag Hortensien pflanzen und richtig pflegen.

Der richtige Standort

Die Kletterhortensie stammt aus lichten Wäldern und bevorzugt Halbschatten. Sie gedeiht auch im Schatten, blüht dort aber spärlicher. Volle Sonne verträgt sie, wenn der Boden ausreichend feucht bleibt, andernfalls bekommen die Blätter Brandflecken. Ideal sind Ost- und Westwände, Nordwände funktionieren ebenfalls. Weitere Kandidaten für solche Plätze finden Sie im Beitrag Exotische Pflanzen für schattige Plätze.

Der Boden sollte humos, locker und gleichmäßig feucht sein, am besten schwach sauer bis neutral. Viel Kalk und verdichteter Untergrund bekommen ihr nicht. Gepflanzt wird im Frühjahr oder Herbst, mit reichlich Kompost im Pflanzloch und einer Mulchschicht aus Laub oder Rindenhumus, die den Wurzelbereich kühl hält. Dicht an Hauswänden ist der Boden oft trocken und voller Bauschutt; halten Sie dort mindestens 30 cm Abstand zur Wand und verbessern Sie die Erde großzügig.

Rankhilfe: nötig oder nicht?

Die Kletterhortensie ist ein Selbstklimmer. Ihre Haftwurzeln halten auf rauem Mauerwerk, Klinker, Holz und Baumrinde ohne weitere Hilfe. In den ersten ein bis zwei Jahren tun sich junge Triebe allerdings schwer, den ersten Halt zu finden. Binden Sie sie deshalb anfangs locker an einem Stab oder Gitter fest, bis die Haftwurzeln greifen.

Auf glatten Flächen wie Metall, glattem Putz oder gestrichenem Holz braucht sie eine dauerhafte Rankhilfe. Gut geeignet sind stabile Holzgitter oder waagerechte Spanndrähte mit etwa 30–50 cm Abstand, an denen die Seitentriebe aufliegen können. Wichtig ist Stabilität, denn eine ausgewachsene Pflanze wird schwer. Überblick über Systeme gibt der Beitrag Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand.

An intaktem Mauerwerk richten die Haftwurzeln keinen Schaden an. Anders als beim Efeu dringen sie nicht in Fugen ein, hinterlassen beim Entfernen aber Reste. Ungeeignet sind rissiger Putz und gedämmte Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem; dort gehört die Pflanze an ein Gerüst mit Abstand zur Wand.

Pflege: Wasser und Dünger

Wie alle Hortensien braucht die Kletterhortensie vor allem Wasser. In trockenen Sommern und in den ersten Standjahren sollten Sie regelmäßig und durchdringend gießen, am besten mit Regenwasser. Staunässe verträgt sie trotzdem nicht. Eine Mulchschicht spart viel Gießarbeit.

Gedüngt wird im Frühjahr mit Kompost oder einem organischen Dünger, bei Bedarf ein zweites Mal im Frühsommer. Geeignet sind Hortensien- oder Rhododendrondünger. Spätere Düngergaben ab August lassen die Triebe weich in den Winter gehen. Zu viel Stickstoff fördert außerdem Blätter auf Kosten der Blüten.

Warum die Kletterhortensie nicht blüht

Die Frage „Warum blüht meine Kletterhortensie nicht?“ hat meist eine der folgenden Antworten:

  • Sie ist noch zu jung. Die ersten Jahre steckt die Pflanze ihre Kraft in Wurzeln und Haftwurzeln. Blüten gibt es oft erst ab dem vierten oder fünften Standjahr, manchmal später.
  • Sie steht zu dunkel. Im tiefen Schatten wächst sie, blüht aber kaum.
  • Sie wurde falsch geschnitten. Die Kletterhortensie blüht an kurzen Seitentrieben, die im Vorjahr angelegt wurden. Ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr entfernt genau diese Knospen.
  • Sie ist zu trocken oder zu satt gedüngt. Trockenheit im Frühsommer und viel Stickstoff gehen beide auf Kosten der Blüte.

Dass sich Knospen bilden, aber nicht öffnen, liegt oft an Trockenheit während der Knospenentwicklung oder an Spätfrost, der junge Knospen geschädigt hat. Hier hilft gleichmäßiges Gießen im Mai und Juni.

Schneiden und vermehren

Ein regelmäßiger Schnitt ist nicht nötig. Wenn Sie schneiden, dann direkt nach der Blüte im Sommer: Entfernen Sie abgestorbene, erfrorene und störende Triebe und kürzen Sie zu weit abstehende Seitentriebe. Ältere, verkahlte Pflanzen lassen sich auch stärker verjüngen, verzichten dann aber ein bis zwei Jahre auf Blüten. Grundsätzliches zum Schnitt der Gattung steht im Beitrag Hortensien schneiden.

Vermehren lässt sich die Kletterhortensie am einfachsten über Absenker: Einen bodennahen Trieb im Frühjahr oder Sommer herunterbiegen, an einer Stelle leicht anritzen, mit Erde bedecken und feucht halten. Nach etwa einem Jahr hat er Wurzeln und kann abgetrennt werden. Auch halbverholzte Stecklinge im Sommer bewurzeln unter einer Haube in feuchtem Substrat.

Überwintern im Garten und im Kübel

Ausgepflanzte Kletterhortensien sind voll winterhart und brauchen keinen Schutz. Nur ganz junge Pflanzen danken im ersten Winter eine Abdeckung des Wurzelbereichs mit Laub oder Reisig. Im Kübel ist das anders, denn dort friert der Wurzelballen schnell durch. Wählen Sie ein großes, dickwandiges Gefäß, stellen Sie es auf Holz oder Styropor und umwickeln Sie es im Winter mit Vlies oder Jute. An frostfreien Tagen gießen, denn auch im Winter verdunstet die Pflanze Wasser.

Krankheiten und Schädlinge spielen bei der Kletterhortensie kaum eine Rolle. Gelegentlich treten Blattläuse an jungen Trieben auf, bei Trockenheit auch Spinnmilben.

Häufige Fragen

Kann man eine Kletterhortensie blau färben?

Nein. Sie blüht immer weiß. Blau färben lassen sich nur rosa Sorten der Bauern- und Tellerhortensie in saurem, aluminiumhaltigem Boden.

Wie schnell wächst eine Kletterhortensie?

In den ersten Jahren nur etwa 10–20 cm im Jahr. Ist sie eingewachsen, legt sie deutlich zu, oft 30–50 cm jährlich, und erreicht nach einigen Jahren mehrere Meter Höhe.

Braucht die Kletterhortensie eine Rankhilfe?

Auf rauem Mauerwerk nicht, sie haftet selbst. Junge Triebe sollten anfangs angebunden werden. An glatten Flächen und gedämmten Fassaden ist ein Rankgerüst nötig.

Ist die Kletterhortensie giftig?

Hortensien gelten als schwach giftig. In größeren Mengen verzehrt können Blätter und Blüten Magen-Darm-Beschwerden auslösen, auch bei Haustieren. Ernsthafte Vergiftungen sind selten.

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