Gallmilben erfolgreich bekämpfen

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Gallmilben sind winzige Spinnentiere, die in Knospen und Blättern saugen und die Pflanze dazu bringen, Gallen, Pocken, Filz oder verdickte Knospen zu bilden. An Zierbäumen wie Linde oder Ahorn sind sie meist harmlos und müssen nicht bekämpft werden; an Johannisbeeren, Brombeeren, Birnen und Wein lohnt sich das Eingreifen dagegen. Die wichtigsten Maßnahmen sind mechanisch: befallene Knospen und Triebe entfernen und richtig schneiden. Spritzmittel wirken nur zum passenden Zeitpunkt.
Was Gallmilben sind
Gallmilben (Familie Eriophyidae) gehören zu den Spinnentieren, sehen aber ganz anders aus als die bekannten Spinnmilben. Sie sind wurmförmig, haben nur vier statt acht Beine und messen meist nur 0,1–0,3 mm. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen, selbst mit der Lupe kaum. Man erkennt sie ausschließlich an dem, was sie anrichten.
Die meisten Arten sind auf eine einzige Pflanzenart oder -gattung spezialisiert. Sie überwintern gut geschützt in Knospen oder unter Knospenschuppen, werden im Frühjahr mit dem Austrieb aktiv und saugen an jungem Gewebe. Dabei geben sie Stoffe ab, die das Pflanzengewebe zu Wucherungen anregen – so entstehen die typischen Gallen. Warme, trockene Witterung fördert ihre Vermehrung.
Die häufigsten Gallmilben im Garten
Welche Art Sie vor sich haben, verrät die befallene Pflanze:
- Johannisbeer-Gallmilbe: Vor allem an Schwarzen Johannisbeeren entstehen dicke, kugelig aufgeblähte Rundknospen, die im Frühjahr nicht austreiben oder verkrüppelt treiben. In einer einzigen Knospe können Tausende Milben sitzen. Die Art überträgt zudem ein Virus, das die Sträucher dauerhaft schwächt.
- Brombeergallmilbe: Sie verursacht die Rotfleckigkeit: Einzelne Teilfrüchte einer Brombeere bleiben rot und hart, während der Rest schwarz und reif wird. Späte Sorten sind stärker betroffen.
- Birnenpockenmilbe: Auf Birnenblättern zeigen sich im Frühjahr grünliche, später rötliche bis schwarzbraune Pocken. Bei starkem Befall leiden Blätter und junge Früchte.
- Pflaumen- und Zwetschgen-Gallmilben: kleine, beutelförmige Gallen an Blättern oder Knospen.
- Reben-Pockenmilbe: An Weinblättern bilden sich Beulen auf der Oberseite und ein weißlicher, später bräunlicher Filz auf der Unterseite.
- Haselnuss-Gallmilbe: Ähnlich wie bei der Johannisbeere schwellen Knospen kugelig an und treiben nicht aus.
- Walnuss-, Linden- und Ahorn-Gallmilben: Filzflecken, Nagelgallen oder kleine Pusteln auf Blättern. Auffällig, aber für den Baum meist bedeutungslos.
Sofort tun: Befall mechanisch eindämmen
Die wichtigste Maßnahme kostet nichts: Befallene Pflanzenteile entfernen, bevor die Milben auswandern.
- Rundknospen ausbrechen. Bei Johannisbeeren und Haseln im Spätwinter und zeitigen Frühjahr alle aufgeblähten Knospen abzupfen, bevor sie sich öffnen. Bei sehr starkem Befall ganze Triebe bodennah herausschneiden.
- Bei Brombeeren gründlich schneiden. Nach der Ernte alle abgetragenen Ruten bodennah entfernen, denn die Milben überwintern an den Knospen der Ruten. Wie Beerenruten geschnitten werden, zeigt der Beitrag Himbeeren richtig schneiden.
- Befallene Blätter pflücken. Bei Birnen und Wein einzelne stark befallene Blätter im Frühjahr abnehmen, solange es wenige sind.
- Entsorgen. Schnittgut und Knospen in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
Ist ein alter Johannisbeerstrauch durch und durch befallen und kaum noch ertragreich, ist ein Neuanfang mit gesunden Jungpflanzen an anderer Stelle oft die bessere Lösung.
Spritzmittel gegen Gallmilben: was zugelassen ist
Für den Haus- und Kleingarten gibt es gegen Gallmilben einige zugelassene Mittel, vor allem Präparate auf Basis von Rapsöl und Schwefelpräparate, je nach Kultur. Welche aktuell für Ihre Pflanze zugelassen sind, steht auf der Packung und in der Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Entscheidend ist der Zeitpunkt. In Gallen und geschlossenen Knospen erreicht kein Mittel die Milben. Sie sind nur verwundbar, wenn sie ihr Versteck verlassen:
- Austriebsspritzung: kurz vor oder während des Knospenaufbruchs im Frühjahr, wenn die Milben aus den Winterverstecken zu den jungen Blättern wandern. So wird sie etwa bei Birnen und Reben eingesetzt.
- Bei Johannisbeeren: während der Wanderphase der Milben aus den Rundknospen, die etwa in die Blütezeit fällt.
Spritzen Sie gleichmäßig und von allen Seiten, auch in Blattachseln und auf Blattunterseiten. Ölpräparate nicht bei praller Sonne oder großer Hitze ausbringen, sonst drohen Verbrennungen. Halten Sie sich genau an Gebrauchsanweisung, Dosierung und Wartezeit. Selbst gemischte Öl- oder Seifenlösungen sind rechtlich keine zulässige Alternative.
Hausmittel und Pflanzenjauchen
Brühen aus Rainfarn, Wermut, Knoblauch oder Brennnessel werden in älteren Ratgebern oft empfohlen. Eine Wirkung gegen Gallmilben, die in Knospen und Gallen verborgen sitzen, ist nicht belegt. Als Pflanzenstärkung schaden Brennnessel- oder Schachtelhalmjauche nicht (siehe Schachtelhalm-Jauche selber herstellen), den Befall beseitigen sie aber nicht. Setzen Sie besser auf Schnitt, gesunde Pflanzen und Nützlinge.
Nützlinge: Raubmilben
Die wichtigsten natürlichen Gegenspieler sind Raubmilben. Sie leben auf vielen Obstgehölzen und Reben und fressen Gall- wie Spinnmilben. In Gärten ohne breit wirkende Insektizide stellen sie sich meist von selbst ein und halten die Schädlinge auf einem erträglichen Niveau. Breitbandmittel gegen andere Schädlinge treffen die Raubmilben dagegen stärker als die gut versteckten Gallmilben – ein Grund mehr, damit sparsam zu sein.
Vorbeugen: so bleiben Sträucher gesund
- Gesundes Pflanzgut kaufen: Johannisbeeren und Haseln vor dem Kauf auf dicke Rundknospen prüfen. Es gibt auch Johannisbeersorten mit Widerstandsfähigkeit gegen die Gallmilbe – fragen Sie in der Baumschule nach.
- Regelmäßig schneiden: Ein luftiger, jährlich verjüngter Strauch bietet weniger Verstecke. Beim Neupflanzen hilft der Beitrag Pflanzzeit für Rote Johannisbeeren.
- Nicht zu trocken halten: Mulchen und in Trockenperioden durchdringend gießen; gestresste Pflanzen werden stärker befallen.
- Maßvoll düngen: Zu viel Stickstoff fördert weiches Gewebe, das die Milben bevorzugen.
- Bei Brombeeren frühe Sorten wählen: Sie sind weniger anfällig für die Rotfleckigkeit.
Verwechslungen: Gallmilben, Spinnmilben, Gallmücken
Spinnmilben sind größer, achtbeinig und verursachen feine helle Sprenkel und zarte Gespinste auf der Blattunterseite, aber keine Gallen. Ausführlich behandelt das der Beitrag Tipps zur Bekämpfung von Spinnmilben. Gallmücken und Gallwespen erzeugen ebenfalls Gallen, oft größere, in denen man eine Larve findet. Miniermotten fressen Gänge ins Blattinnere, die im Gegenlicht sichtbar sind – mehr dazu unter Die Miniermotte richtig bekämpfen. Einen Überblick gibt Schädlingsbekämpfung im Garten.
Häufige Fragen
Welches Spritzmittel hilft gegen Gallmilben?
Zugelassen sind im Hausgarten vor allem Präparate auf Rapsöl- oder Schwefelbasis, jeweils für bestimmte Kulturen. Sie wirken nur, wenn die Milben ihre Verstecke verlassen, meist zum Austrieb im Frühjahr.
Muss man Gallmilben an Linde, Ahorn oder Walnuss bekämpfen?
In der Regel nicht. Die Gallen sehen auffällig aus, schaden dem Baum aber kaum. Eine Behandlung großer Bäume wäre zudem kaum durchführbar.
Kann man Früchte von befallenen Sträuchern essen?
Ja. Die Milben sind für Menschen harmlos. Rote, harte Teilfrüchte bei Brombeeren schmecken nur nicht.
Warum treiben die Knospen meiner Johannisbeere nicht aus?
Sind sie kugelig aufgebläht, ist die Johannisbeer-Gallmilbe die wahrscheinlichste Ursache. Brechen Sie diese Rundknospen aus, bevor sie sich öffnen.



