Himbeeren richtig schneiden

Inhalt10 Abschnitte
- Sommer- oder Herbsthimbeere: So finden Sie es heraus
- Warum der Schnitt so wichtig ist
- Sommerhimbeeren schneiden: Schritt für Schritt
- Herbsthimbeeren schneiden: der einfache Radikalschnitt
- Zwei Ernten von einer Herbsthimbeere
- Das richtige Gerüst
- Ausläufer im Zaum halten
- Typische Fehler beim Himbeerschnitt
- Pflege rund um den Schnitt
- Häufige Fragen
Beim Himbeerschnitt kommt es nur auf eine Frage an: Haben Sie Sommer- oder Herbsthimbeeren? Sommerhimbeeren tragen an den Ruten des Vorjahres; nach der Ernte schneiden Sie die abgetragenen Ruten bodennah ab und lassen die neuen stehen. Herbsthimbeeren tragen an den Ruten des laufenden Jahres; bei ihnen werden im Spätherbst oder Winter alle Ruten auf Bodenhöhe abgeschnitten. Mehr ist es im Kern nicht.
Sommer- oder Herbsthimbeere: So finden Sie es heraus
Kennen Sie die Sorte nicht, verrät der Erntezeitpunkt, welcher Typ Sie haben. Sommerhimbeeren reifen etwa von Mitte Juni bis Ende Juli, Herbsthimbeeren ab August bis zum ersten Frost. Auch das Holz gibt Auskunft: Bei Sommerhimbeeren stehen im Sommer zwei Sorten Ruten nebeneinander – ältere, verholzte, bräunliche mit Früchten und junge, grüne ohne Früchte. Bei Herbsthimbeeren tragen die frischen, grünen Ruten desselben Jahres an ihrer Spitze.
| Merkmal | Sommerhimbeeren | Herbsthimbeeren |
| Frucht an | zweijährigen Ruten | einjährigen Ruten |
| Erntezeit | etwa Mitte Juni–Ende Juli | etwa August–Oktober |
| Schnittzeit | direkt nach der Ernte | Spätherbst bis spätestens Ende Februar |
| Was wird geschnitten | nur die abgetragenen Ruten | alle Ruten |
| Gerüst | nötig | hilfreich, bei kurzen Sorten entbehrlich |
Warum der Schnitt so wichtig ist
Eine Himbeerrute lebt nur zwei Jahre. Im ersten Jahr wächst sie, im zweiten trägt sie und stirbt danach ab. Bleiben die alten Ruten stehen, entsteht mit der Zeit ein Dickicht aus totem Holz und dicht gedrängten Jungruten. Darin trocknen die Blätter nach Regen schlecht ab, und Pilzkrankheiten wie die Rutenkrankheit oder Grauschimmel an den Früchten haben leichtes Spiel. Außerdem konkurrieren zu viele Ruten um Licht, Wasser und Nährstoffe, und die Früchte bleiben klein.
Ein regelmäßiger Schnitt sorgt dafür, dass die Pflanze ihre Kraft in wenige kräftige Ruten steckt, dass Licht und Luft an die Früchte kommen und dass Sie bei der Ernte überhaupt noch hineingreifen können.
Sommerhimbeeren schneiden: Schritt für Schritt
Beliebte Sommersorten sind zum Beispiel ‘Glen Ample’, ‘Tulameen’, ‘Meeker’ oder die alte Sorte ‘Schönemann’. Sie liefern große Mengen aromatischer Früchte in wenigen Wochen.
- Direkt nach der letzten Ernte schneiden. Meist ist das Ende Juli oder Anfang August. Die abgetragenen Ruten erkennen Sie an der bräunlichen, verholzten Rinde und den Resten der Fruchtstände.
- Alte Ruten bodennah abschneiden. Schneiden Sie sie direkt über dem Boden ab, ohne Stummel. Stummel sind Eintrittspforten für Krankheiten.
- Vorsichtig aus dem Gerüst lösen. Ziehen Sie die Ruten behutsam heraus, damit die jungen Ruten keinen Schaden nehmen.
- Jungruten auslichten. Lassen Sie etwa 8–10 kräftige Jungruten je laufenden Meter stehen. Entfernen Sie schwache, dünne, kranke und außerhalb der Reihe wachsende Ruten.
- Anbinden. Binden Sie die verbleibenden Jungruten mit etwas Abstand zueinander am Gerüst fest.
Im zeitigen Frühjahr, etwa im März, folgt ein kurzer Kontrollschnitt: Entfernen Sie im Winter abgestorbene oder beschädigte Ruten und kürzen Sie Ruten, die weit über das Gerüst hinausragen, auf eine erreichbare Höhe, meist etwa 1,60–1,80 m. Schneiden Sie dabei knapp über einer Knospe.
Herbsthimbeeren schneiden: der einfache Radikalschnitt
Herbsthimbeeren wie ‘Autumn Bliss’, ‘Polka’ oder ‘Himbo-Top’ sind noch einfacher im Schnitt. Nach der Ernte, frühestens im November und spätestens bis Ende Februar, schneiden Sie alle Ruten bodennah ab. Im Frühjahr treiben aus dem Wurzelstock neue Ruten aus, die im selben Jahr tragen.
Der Radikalschnitt hat einen wichtigen Nebeneffekt: Da im Winter keine Ruten stehen bleiben, überdauern weniger Krankheitserreger und Schädlinge. Außerdem blühen Herbsthimbeeren erst, wenn der Himbeerkäfer seine Eiablage im Frühsommer weitgehend abgeschlossen hat. Madige Früchte sind deshalb bei Herbstsorten deutlich seltener.
Im Frühjahr lichten Sie die neuen Triebe aus, sobald sie etwa 20–30 cm hoch sind. Auch hier bleiben etwa 8–12 kräftige Ruten je Meter stehen.
Zwei Ernten von einer Herbsthimbeere
Es ist möglich, Herbsthimbeeren zweimal im Jahr ernten zu lassen. Dazu schneiden Sie im Winter nicht alle Ruten ab, sondern lassen einen Teil stehen und kürzen nur deren abgetragene Spitzen. Diese Ruten tragen im folgenden Frühsommer an ihrem unteren Teil erneut und werden danach bodennah entfernt. Im Herbst tragen dann die neuen Ruten.
Das klingt verlockend, hat aber Nachteile: Die Pflanze wird stärker beansprucht, beide Ernten fallen kleiner aus, und der Schnitt wird komplizierter. Wer von Juni bis Oktober Himbeeren ernten möchte, pflanzt besser je eine Reihe Sommer- und Herbsthimbeeren.
Das richtige Gerüst
Sommerhimbeeren brauchen ein Gerüst, sonst biegen sich die fruchtbeladenen Ruten zu Boden. Bewährt hat sich ein einfaches Drahtgerüst: Pfosten im Abstand von 3–4 m, dazwischen zwei oder drei Drähte in etwa 60, 100 und 160 cm Höhe. Die Ruten werden einzeln angebunden oder zwischen zwei parallel gespannten Drähten geführt. Für Herbsthimbeeren genügen oft zwei Drähte links und rechts der Reihe, die die Ruten zusammenhalten.
Ausläufer im Zaum halten
Himbeeren breiten sich über unterirdische Ausläufer aus und tauchen schnell mitten im Rasen oder im Nachbarbeet auf. Stechen Sie Ausläufer außerhalb der Reihe regelmäßig ab. Eine Reihe von etwa 40–50 cm Breite ist ideal. Wer das von Anfang an vermeiden möchte, setzt beim Pflanzen eine Wurzelsperre ein.
Typische Fehler beim Himbeerschnitt
- Sommerhimbeeren im Winter bodennah schneiden: Damit entfernen Sie genau die Ruten, die im nächsten Jahr tragen sollten. Die Ernte fällt dann komplett aus.
- Zu viele Ruten stehen lassen: Mehr Ruten bedeuten nicht mehr Ernte, sondern kleinere Früchte und mehr Pilzkrankheiten.
- Stummel stehen lassen: Alte Ruten immer direkt über dem Boden abschneiden.
- Kranke Ruten auf den Kompost: Ruten mit violetten oder grauen Flecken an der Rinde gehören in den Restmüll.
- Stumpfe Schere: Gequetschte Schnittstellen heilen schlecht. Eine scharfe Gartenschere genügt, eine Übersicht bietet der Beitrag Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen.
Pflege rund um den Schnitt
Himbeeren sind Flachwurzler und mögen einen humusreichen, lockeren und gleichmäßig feuchten Boden, aber keine Staunässe. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Laub oder Stroh hält den Boden feucht und schützt die flachen Wurzeln. Gedüngt wird im Frühjahr mit Kompost oder einem organischen Beerendünger; hacken Sie nicht tief, um die Wurzeln nicht zu verletzen.
Wer auch andere Pflanzen im Garten schneiden möchte, findet Anleitungen in weiteren Beiträgen: Forsythien nach der Blütezeit schneiden, Hortensien schneiden, Rosen im Frühjahr schneiden, Ziergräser richtig zurückschneiden und Hecke richtig schneiden.
Häufige Fragen
Wann schneidet man Himbeeren?
Sommerhimbeeren direkt nach der Ernte im Juli oder August, dazu ein Kontrollschnitt im März. Herbsthimbeeren nach der Ernte von November bis spätestens Ende Februar.
Wie weit schneidet man Himbeeren zurück?
Abgetragene Ruten werden immer bodennah abgeschnitten. Bei Sommerhimbeeren bleiben die jungen Ruten stehen und werden im Frühjahr höchstens auf etwa 1,60–1,80 m gekürzt. Bei Herbsthimbeeren kommen alle Ruten auf Bodenhöhe herunter.
Wie viele Ruten sollte man stehen lassen?
Etwa 8–10 kräftige Ruten je laufenden Meter bei Sommerhimbeeren, bei Herbsthimbeeren etwa 8–12. Schwache und kranke Ruten werden entfernt.
Was passiert, wenn man Himbeeren nicht schneidet?
Die Pflanzen verwildern zu einem dichten Gestrüpp aus totem und lebendem Holz, die Früchte werden kleiner, und Pilzkrankheiten breiten sich aus. Ein Schnitt lässt sich aber jederzeit nachholen.



