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Garten-Ratgeber

Kaltkeimer aussäen: wann und wie es gelingt

Blumen & Staudenvon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Kaltkeimer von anderen Samen unterscheidet
  2. Welche Pflanzen Kaltkeimer sind
  3. Achtung, giftig
  4. Die Aussaat im Herbst und Winter Schritt für Schritt
  5. Kaltkeimer ohne Winter: die Kühlschrank-Methode
  6. Wenn es länger dauert: Pfingstrose und Wildrosen
  7. Pikieren und Auspflanzen
  8. Was im September sonst gesät wird
  9. Häufige Fragen

Kaltkeimer sind Pflanzen, deren Samen erst keimen, wenn sie einige Wochen feucht und kalt gelegen haben. Die beste Zeit für die Aussaat ist deshalb Oktober bis Februar: Die Schalen werden gesät, kurz warm gestellt und dann dem Winter draußen überlassen. Im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, laufen die Keimlinge auf. Wer den Termin verpasst hat, kann die Kälte auch im Kühlschrank nachstellen.

Junge Keimlinge im Saatbeet kurz nach dem Auflaufen
Junge Keimlinge im Saatbeet kurz nach dem Auflaufen

Was Kaltkeimer von anderen Samen unterscheidet

Die meisten Gemüse- und Sommerblumensamen keimen, sobald sie Wärme und Feuchtigkeit bekommen. Kaltkeimer dagegen besitzen eine eingebaute Keimsperre. Sie schützt die Pflanze davor, im Herbst zu keimen, wenn die Sämlinge den Winter nicht überstehen würden. Erst eine Kälteperiode baut die keimhemmenden Stoffe im Samen ab; Gärtner sprechen von Stratifikation.

Oft werden Kaltkeimer auch Frostkeimer genannt. Das führt in die Irre: Frost ist nicht nötig, entscheidend sind Temperaturen knapp über oder um den Gefrierpunkt, etwa zwischen −4 und +4 °C, über mehrere Wochen. Leichte Fröste schaden den gequollenen Samen der heimischen Arten in der Regel nicht, sie sind in der Natur ja genau darauf eingestellt. Wichtig ist, dass die Samen in dieser Zeit feucht bleiben – trockene Kälte bewirkt nichts.

Welche Pflanzen Kaltkeimer sind

Viele Stauden und Gehölze aus gemäßigten und alpinen Regionen gehören dazu. Eine Auswahl:

GruppeBeispiele
FrühlingsstaudenChristrose, Buschwindröschen, Küchenschelle, Schlüsselblume, Duft-Veilchen, Leberblümchen
SommerstaudenAkelei, Eisenhut, Enzian, Trollblume, Sibirische Schwertlilie, Diptam
Zwiebel- und Knollenpflanzenviele Zierlauch-Arten, manche Lilien, Wildtulpen
GehölzeWildrosen, Pfingstrose (Strauch- und Staudenpfingstrose), viele heimische Sträucher
Kräuter und WildpflanzenBärlauch, Waldmeister, Arnika

Auf den Samentüten steht meist ausdrücklich „Kaltkeimer“ oder ein Hinweis auf eine Kältebehandlung. Fehlt er, lohnt ein Blick in die Aussaatanleitung des Anbieters. Nicht jede Staude, die im Herbst Samen bildet, ist ein Kaltkeimer; Glockenblumen oder Margeriten keimen zum Beispiel ohne Kälte.

Achtung, giftig

Einige der beliebtesten Kaltkeimer sind stark giftig. Eisenhut gilt als eine der giftigsten Pflanzen Europas; schon das Berühren kann über die Haut Beschwerden auslösen. Auch Christrose, Buschwindröschen, Küchenschelle und Diptam sind giftig, Diptam kann zudem bei Sonne Hautreizungen hervorrufen. Tragen Sie beim Aussäen und Pikieren Handschuhe und bewahren Sie Saatgut für Kinder unerreichbar auf. Einen Überblick gibt der Beitrag Vorsicht, giftige Zierpflanzen im Garten.

Die Aussaat im Herbst und Winter Schritt für Schritt

Am einfachsten ist es, die Natur arbeiten zu lassen. So gehen Sie vor:

  1. Gefäße vorbereiten. Saubere Aussaatschalen oder Tontöpfe mit Abzugsloch verwenden. Alte Gefäße vorher heiß auswaschen.
  2. Substrat einfüllen. Nährstoffarme Aussaaterde, gern mit einem Viertel Sand gemischt, einfüllen, leicht andrücken und die Oberfläche glätten. Torffreie Erde funktioniert genauso gut wie torfhaltige.
  3. Säen. Die Samen gleichmäßig verteilen und je nach Größe dünn mit Erde oder Sand übersieben. Feine Samen werden nur angedrückt. Eine dünne Schicht feiner Kies oder Sand obenauf verhindert, dass Moos wächst und Regen die Samen ausschwemmt.
  4. Quellen lassen. Die Schalen gut anfeuchten und etwa zwei bis vier Wochen bei 15–20 °C stehen lassen. In dieser Zeit nehmen die Samen Wasser auf; erst gequollene Samen reagieren auf die Kälte.
  5. Ab in die Kälte. Anschließend kommen die Gefäße für mindestens vier bis sechs Wochen ins Freie, an einen schattigen Platz, etwa an die Nordseite des Hauses oder in einen offenen Frühbeetkasten. Ein Gitter schützt vor Mäusen und Vögeln.
  6. Feucht halten. Die Erde darf in der gesamten Zeit nicht austrocknen. Schnee auf den Schalen ist ideal, er schmilzt langsam und hält gleichmäßig feucht.
  7. Keimen lassen. Wenn es im Frühjahr wärmer wird, laufen die Samen bei etwa 5–12 °C auf. Holen Sie die Schalen dafür nicht ins warme Wohnzimmer – große Wärme kann die Keimung wieder stoppen.

Säen Sie im Oktober oder November, genügt die natürliche Witterung meist ohne Zutun. Bei einer Aussaat im Januar oder Februar ist die Kälteperiode kürzer; dann lohnt sich ein kalter Winter und etwas Geduld.

Kaltkeimer ohne Winter: die Kühlschrank-Methode

Theoretisch lassen sich Kaltkeimer zu jeder Jahreszeit säen, wenn man die Kälte selbst herstellt:

  1. Samen mit leicht feuchtem Sand oder in eine gesäte Schale geben und in einen Gefrierbeutel oder eine Dose mit Deckel packen.
  2. Zwei bis vier Wochen bei Zimmertemperatur quellen lassen.
  3. Danach vier bis sechs Wochen ins Gemüsefach des Kühlschranks, wo es meist 2–5 °C hat. Regelmäßig prüfen, ob alles feucht ist, und zwischendurch lüften, damit sich kein Schimmel bildet.
  4. Anschließend an einen hellen, kühlen Ort mit etwa 10–12 °C stellen, bis die Keimlinge erscheinen.

Die Variante mit feuchtem Küchenpapier klappt ebenfalls, hat aber einen Nachteil: Sind die Keime erst durch das Papier gewachsen, lassen sie sich kaum unbeschädigt herauslösen. Säen in Sand oder direkt in Erde ist deshalb meist die bessere Wahl.

Wenn es länger dauert: Pfingstrose und Wildrosen

Manche Arten haben eine doppelte Keimsperre. Bei Pfingstrosen bildet sich im ersten warmen Abschnitt zunächst nur eine Wurzel, der Spross folgt erst nach einem weiteren Winter. Auch Wildrosen, Diptam oder manche Lilien lassen sich ein bis zwei Jahre Zeit. Werfen Sie Aussaatschalen deshalb nicht im ersten Sommer weg, wenn sich nichts zeigt. Stellen Sie sie an einen schattigen Platz, halten Sie sie leicht feucht und warten Sie einen weiteren Winter ab.

Frisches Saatgut keimt bei vielen Kaltkeimern deutlich besser als altes. Wer selbst Samen im Garten erntet, sät am besten gleich im Herbst aus, statt die Samen bis zum Frühjahr zu lagern.

Pikieren und Auspflanzen

Sobald die Keimlinge neben den Keimblättern das erste echte Laubblatt zeigen, werden sie vorsichtig einzeln in kleine Töpfe gesetzt. Stauden wachsen im ersten Jahr oft langsam; sie bleiben den Sommer über im Topf an einem halbschattigen Platz und kommen im Herbst oder im folgenden Frühjahr an ihren endgültigen Standort. Wie Sie Stauden ins Beet setzen, lesen Sie unter Der April ist Pflanzzeit für Stauden. Bis zur ersten Blüte vergehen bei vielen Arten zwei bis drei Jahre, bei Christrose und Pfingstrose oft noch länger.

Was im September sonst gesät wird

Der Herbst ist nicht nur Kaltkeimerzeit. Im September kommen auch zweijährige Blumen, Feldsalat, Spinat und Gründüngung in die Erde. Was genau jetzt gesät werden kann, steht im Gartenkalender zur Aussaat im September, die Frühjahrsaussaat unter Aussaat im März.

Häufige Fragen

Wann sät man Kaltkeimer am besten aus?

Von Oktober bis Februar. Je früher im Winter, desto zuverlässiger reicht die natürliche Kälteperiode aus. Wichtig ist, dass die Samen vorher einige Wochen warm quellen konnten.

Brauchen Kaltkeimer Frost?

Nein. Sie brauchen mehrere Wochen feuchte Kälte um den Gefrierpunkt. Leichter Frost schadet meist nicht, ist aber auch nicht erforderlich.

Kann man Kaltkeimer im Frühjahr noch säen?

Ja, wenn Sie die Kälte im Kühlschrank nachholen: erst zwei bis vier Wochen warm quellen lassen, dann vier bis sechs Wochen bei 2–5 °C lagern.

Warum keimen meine Kaltkeimer nicht?

Häufige Ursachen sind ausgetrocknetes Substrat während der Kälte, zu altes Saatgut, eine zu warme Keimphase oder eine doppelte Keimsperre, wie bei Pfingstrosen. Dann hilft nur Geduld bis nach dem nächsten Winter.

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