Hecken schneiden im Juni: Was erlaubt ist und wie es gelingt

Inhalt10 Abschnitte
- Was das Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März bis 30. September verbietet
- Was im Juni erlaubt bleibt: Form- und Pflegeschnitt
- Brutvögel: vor dem Schnitt immer nachsehen
- Landesrecht, Gemeinde und Nachbarn
- Warum der Johannistag der klassische Termin ist
- Welche Hecken im Juni geschnitten werden
- Das richtige Wetter für den Schnitt
- Schritt für Schritt: der Formschnitt im Juni
- Was Sie im Juni lieber lassen
- Häufige Fragen
Im Juni dürfen Sie Ihre Hecke schneiden, allerdings nur schonend: Erlaubt ist ein Form- und Pflegeschnitt, der den Zuwachs des Jahres entfernt. Verboten ist, die Hecke radikal zurückzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Außerdem dürfen brütende Vögel nicht gestört werden, deshalb gehört vor jedem Schnitt ein Blick in die Hecke dazu. Der klassische Termin ist der Johannistag am 24. Juni, wenn die meisten Heckenpflanzen ihren ersten Austrieb abgeschlossen haben.
Was das Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März bis 30. September verbietet
Maßgeblich ist § 39 Absatz 5 Nummer 2 des Bundesnaturschutzgesetzes. Danach ist es verboten, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Gemeint ist ein starker Rückschnitt, der die Hecke als Lebensraum weitgehend beseitigt, sowie das Absägen knapp über dem Boden, aus dem die Pflanzen neu austreiben sollen.
Das Verbot gilt auch für Hecken im Hausgarten. Die Ausnahme für „gärtnerisch genutzte Grundflächen“ bezieht sich im Gesetzestext nur auf Bäume, nicht auf Hecken und Gebüsche. Ein Hausbesitzer darf seine Ligusterhecke also im Juli ebenso wenig auf Kniehöhe kürzen wie ein Landwirt seine Feldhecke. Weitere Ausnahmen betreffen vor allem behördlich angeordnete Maßnahmen oder solche, die für die Verkehrssicherheit zwingend nötig sind und nicht zu einer anderen Zeit erledigt werden können. In begründeten Einzelfällen kann die untere Naturschutzbehörde eine Befreiung erteilen.
Was im Juni erlaubt bleibt: Form- und Pflegeschnitt
Derselbe Paragraf macht eine ausdrückliche Ausnahme: Zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen. Praktisch heißt das, Sie dürfen die neuen Triebe dieses Jahres zurücknehmen und die Hecke in ihre gewohnte Form bringen. Sie dürfen dagegen nicht tief ins alte Holz schneiden, die Hecke deutlich niedriger oder schmaler machen oder sie verjüngen.
Eine feste Zentimetergrenze nennt das Gesetz nicht. Als Faustregel dient das Bild der Hecke nach dem Schnitt: Sieht sie aus wie im Vorjahr nach dem Schnitt, war es ein Formschnitt. Klaffen große Lücken, schauen kahle Äste heraus oder ist die Hecke einen halben Meter kleiner geworden, war es mehr. Wer eine Hecke deutlich kürzen oder verjüngen will, verschiebt das auf die Zeit von Oktober bis Ende Februar.
Brutvögel: vor dem Schnitt immer nachsehen
Unabhängig vom Heckenschnitt-Paragrafen schützt § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes alle europäischen Vogelarten. Es ist verboten, ihre Nester zu beschädigen oder zu zerstören, und während der Brut- und Aufzuchtzeit dürfen sie nicht erheblich gestört werden. Dieses Verbot gilt auch für einen an sich erlaubten Formschnitt. Amsel, Grünfink, Heckenbraunelle, Zaunkönig und Mönchsgrasmücke brüten gern in Gartenhecken, viele Arten bis in den Juli und August hinein mit einer zweiten oder dritten Brut.
So gehen Sie vor: Beobachten Sie die Hecke vor dem Schnitt eine Weile aus einigen Metern Abstand. Fliegen Vögel immer wieder an dieselbe Stelle, tragen Futter hinein oder warnen aufgeregt, ist dort vermutlich ein Nest. Schauen Sie dann vorsichtig von außen in die Hecke, ohne Zweige auseinanderzureißen. Finden Sie ein belegtes Nest, sparen Sie den Bereich großzügig aus, mindestens einen Meter nach jeder Seite, oder verschieben Sie den Schnitt um einige Wochen, bis die Jungen ausgeflogen sind. Bei sehr dichten Hecken ist eine Handschere an diesen Stellen schonender als die Motorschere, die in wenigen Sekunden ein Nest freilegt.
Denken Sie auch an den Heckenfuß: Igel ziehen im Frühsommer ihre Jungen in Laub und dichtem Bewuchs am Boden auf. Wie wertvoll eine Hecke für die Tierwelt ist, zeigt der Beitrag Die Vogelschutzhecke als Lebensraum für viele Vögel.
Landesrecht, Gemeinde und Nachbarn
Das Bundesnaturschutzgesetz setzt den Rahmen, die Länder dürfen ihn in ihren Naturschutzgesetzen ergänzen. Einige Länder haben eigene Regeln für Hecken in der freien Landschaft, und viele Gemeinden haben Baumschutzsatzungen oder Gestaltungsvorgaben, die zusätzlich gelten können. Wer gegen das Schnittverbot oder den Artenschutz verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Die Höhe legen die Länder fest. Bei Unsicherheit gibt die untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt verbindlich Auskunft.
Eine andere Frage ist, wie hoch eine Hecke an der Grundstücksgrenze sein darf und welchen Abstand sie einhalten muss. Das regeln die Nachbarrechtsgesetze der Länder, und die Vorgaben unterscheiden sich erheblich. Beachten Sie auch: Verlangt der Nachbar einen Rückschnitt auf die zulässige Höhe, darf dieser im Sommer nur so weit gehen, wie es der Naturschutz zulässt. Größere Kürzungen fallen dann in den Winter.
Warum der Johannistag der klassische Termin ist
Die meisten Laub- und Nadelgehölze treiben im Frühjahr kräftig aus und legen um Ende Juni eine Wachstumspause ein, bevor im Juli ein zweiter, schwächerer Austrieb folgt, der sogenannte Johannistrieb. Schneiden Sie in dieser Pause, verzweigen sich die Triebe an den Schnittstellen, die Hecke wird dichter, und der zweite Austrieb schließt die Schnittflächen bald wieder. Bis zum Herbst sieht die Hecke dann gepflegt aus, ohne dass Sie ein zweites Mal ran müssen.
Viele schnellwüchsige Hecken vertragen einen zweiten Formschnitt Ende August bis Anfang September. Dieser zweite Durchgang fällt ebenfalls unter die erlaubten Pflegeschnitte. Wie er in den Spätsommer passt, zeigt der Beitrag Der Garten im August.
Welche Hecken im Juni geschnitten werden
| Hecke | Schnitt im Juni | Besonderheit |
| Hainbuche, Rotbuche | ja, Hauptschnitt | zweiter Schnitt Ende August möglich |
| Liguster | ja | wächst schnell, oft zwei Schnitte nötig |
| Feldahorn | ja | sehr schnittverträglich |
| Eibe | ja | treibt auch aus altem Holz; stark giftig |
| Thuja, Scheinzypresse | ja, nur im Grünen | nie ins braune Holz schneiden |
| Kirschlorbeer | ja, nach dem Austrieb | am besten mit Handschere; giftig |
| Buchsbaum | ja | vorher auf Buchsbaumzünsler prüfen |
| Berberitze, Feuerdorn | ja, nach der Blüte | Handschuhe tragen |
| Blütenhecken (Forsythie, Spierstrauch) | bald nach der Blüte | später Schnitt kostet die nächste Blüte |
Bei Thuja und Scheinzypresse gilt die wichtigste Regel des Heckenschnitts: Schneiden Sie nur im grünen, benadelten Bereich. Aus kahlem, braunem Holz treiben sie nicht wieder aus. Braune Stellen, die nicht vom Schnitt stammen, haben oft andere Ursachen; der Beitrag Thuja: Schädlinge und Krankheiten hilft bei der Suche. Den großblättrigen Kirschlorbeer schneiden Sie möglichst mit der Handschere, weil elektrische Scheren die Blätter zerfetzen und braune Ränder hinterlassen. Mehr dazu im Beitrag Kirschlorbeerhecke pflegen.
Das richtige Wetter für den Schnitt
Schneiden Sie an einem bedeckten, trockenen Tag. In praller Sonne verbrennen Blätter und Nadeln, die bisher im Schatten der äußeren Triebe lagen und plötzlich frei liegen. Das zeigt sich einige Tage später als braune Flecken, besonders bei Kirschlorbeer, Eibe und Thuja. Nasse Hecken schneiden Sie besser nicht, denn feuchte Schnittwunden sind ein Einfallstor für Pilze, und das Werkzeug verklebt. Nach dem Schnitt freut sich die Hecke bei Trockenheit über eine gründliche Wassergabe.
Schritt für Schritt: der Formschnitt im Juni
- Nach Nestern sehen. Wie oben beschrieben beobachten und vorsichtig nachsehen, belegte Bereiche markieren und aussparen.
- Werkzeug vorbereiten. Klingen scharf und sauber, damit sie schneiden statt quetschen. Hinweise zur Wahl des Geräts gibt der Beitrag Woran erkennt man eine gute Elektro-Heckenschere?.
- Richtschnur spannen. Eine Schnur zwischen zwei Stäben gibt die Höhe vor, damit die Oberkante gerade wird.
- Erst die Seiten, dann die Krone. Schneiden Sie die Flanken von unten nach oben, leicht schräg nach innen geneigt. Die Hecke soll unten breiter sein als oben, damit auch die unteren Zweige Licht bekommen.
- Nur den Zuwachs nehmen. Führen Sie die Schere knapp außerhalb der Schnittlinie des Vorjahres. Einzelne Triebe, die weit herausragen, dürfen bis in die Heckenfläche eingekürzt werden.
- Aufräumen. Schnittgut von der Hecke abschütteln und zusammenrechen. Dünne Triebe eignen sich gehäckselt als Mulch, das Schnittgut von Eibe und Kirschlorbeer ist giftig und gehört nicht in Reichweite von Weidetieren.
Die Grundlagen zur richtigen Heckenform, zu den besten Terminen im ganzen Jahr und zur Verjüngung alter Hecken stehen ausführlich im Beitrag Hecke richtig schneiden – Tipps und Tricks.
Was Sie im Juni lieber lassen
Alles, was über den Zuwachs hinausgeht, gehört in den Winter: eine verkahlte Hecke von unten neu aufbauen, eine zu hoch gewordene Hecke um einen Meter kürzen, alte Sträucher auf den Stock setzen oder eine Hecke ganz entfernen. Auch das Neupflanzen einer Hecke ist im Juni ungünstig, weil die jungen Pflanzen im Sommer viel Wasser brauchen und schlecht anwachsen. Besser eignet sich dafür der Herbst, wie der Beitrag Hecken pflanzen im Herbst zeigt.
Häufige Fragen
Darf man im Juni die Hecke schneiden?
Ja. Schonende Form- und Pflegeschnitte, die den Zuwachs des Jahres entfernen, sind vom 1. März bis 30. September erlaubt. Voraussetzung ist, dass keine Vögel in der Hecke brüten oder deren Nester ausgespart werden.
Wie viel darf man im Sommer von der Hecke abschneiden?
Eine feste Zentimeterangabe gibt es nicht. Erlaubt ist der Zuwachs des laufenden Jahres, also das, was seit dem letzten Schnitt nachgewachsen ist. Ein Schnitt ins alte Holz, der die Hecke deutlich kleiner macht, ist erst ab Oktober erlaubt.
Was passiert, wenn man im Sommer radikal zurückschneidet?
Ein Rückschnitt oder Auf-den-Stock-Setzen zwischen März und September ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Werden dabei Nester zerstört, liegt zusätzlich ein Verstoß gegen den Artenschutz vor.
Muss man auch bei einer kleinen Gartenhecke nach Nestern schauen?
Ja. Der Artenschutz gilt unabhängig von der Größe der Hecke. Gerade niedrige, dichte Hecken in ruhigen Gärten werden von Amseln und Heckenbraunellen gern zum Brüten genutzt.



