Rattanmöbel und Polyrattan: Unterschiede, Qualität und Pflege
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Rattanmöbel gibt es in zwei grundverschiedenen Ausführungen: aus Naturrattan, dem Holz einer Kletterpalme, und aus Polyrattan, einem Kunststoffgeflecht. Naturrattan gehört ins Haus oder in den Wintergarten, Polyrattan verträgt Regen, Sonne und Frost und ist das Material für Garten und Terrasse. Beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich, unterscheiden sich aber in Pflege, Haltbarkeit und Einsatzort erheblich.

Was Rattan eigentlich ist
Rattan stammt von Kletterpalmen, die vor allem in den Regenwäldern Südostasiens wachsen. Ihre langen, biegsamen Triebe werden geerntet, geschält und getrocknet. Aus den dicken Stangen entstehen Möbelgestelle, die unter heißem Dampf in Form gebogen werden. Die geschälte Rinde, Rattanschale, dient zum Umwickeln von Verbindungen, der innere Kern, das Peddigrohr, zum Flechten von Sitzflächen und Lehnen.
Geflochtene Möbel haben eine lange Tradition. In Europa wurden Rattanmöbel im 19. Jahrhundert populär und erlebten in den 1970er-Jahren eine Blütezeit. Heute sind sie wieder gefragt, vor allem in schlichten, hellen Formen und in Kombination mit Holz, Leinen und Pflanzen.
Naturrattan: leicht und wohnlich, aber nicht wetterfest
Naturrattan ist leicht, erstaunlich stabil und elastisch. Es fühlt sich warm an und passt gut in Wohnräume, Wintergärten und auf überdachte Veranden. Seine Feinde sind Nässe und UV-Licht. Regen lässt die Fasern aufquellen, fördert Schimmel und Stockflecken, Frost sprengt das feuchte Material. Starke Sonne bleicht es aus und macht es spröde. Ein Lackanstrich schützt die Oberfläche etwas, macht Naturrattan aber nicht zum Gartenmöbel.
Auch im Haus braucht es etwas Aufmerksamkeit: Trockene Heizungsluft lässt das Geflecht austrocknen, knarzen und brechen. Ein Platz mit Abstand zum Heizkörper und gelegentliches Abwischen mit einem leicht feuchten Tuch halten die Fasern geschmeidig. Tipps speziell für Sessel lesen Sie im Beitrag Korbsessel für drinnen und draußen.
Polyrattan: das wetterfeste Geflecht

Polyrattan, auch Kunstrattan genannt, ist ein Geflecht aus Kunststoffbändern um ein Gestell, meist aus Aluminium. Seit den 1980er-Jahren gibt es Gartenmöbel daraus, heute ist es das beliebteste Material für Lounge-Möbel. Hochwertiges Polyrattan besteht aus Polyethylen (PE) mit UV-Stabilisatoren. Es nimmt kein Wasser auf, bleibt elastisch und verträgt Temperaturschwankungen gut. Weichmacher braucht Polyethylen dafür nicht.
Günstigere Geflechte bestehen dagegen oft aus PVC. Damit PVC biegsam bleibt, werden ihm Weichmacher zugesetzt, die mit der Zeit ausdünsten; das Geflecht wird dann spröde, verfärbt sich und bricht. Auch PE-Geflecht verblasst nach vielen Sommern in praller Sonne etwas – „absolut farbecht“ ist kein Kunststoff.
| Merkmal | Naturrattan | Polyrattan (PE) |
| Einsatzort | Wohnraum, Wintergarten, überdachte Veranda | Garten, Terrasse, Balkon, auch drinnen |
| Regen und Frost | nicht geeignet | unempfindlich |
| UV-Licht | bleicht aus, wird spröde | stabilisiert, verblasst nur langsam |
| Gewicht | sehr leicht | leicht, je nach Gestell |
| Reinigung | absaugen, leicht feucht abwischen | abwaschen, abspritzen |
| Rohstoff | nachwachsend | Kunststoff, recycelbar, wenn sortenrein getrennt |
Woran Sie gute Qualität erkennen
Die Qualitätsunterschiede bei Polyrattan sind groß, und man sieht sie im Laden nicht auf den ersten Blick. Achten Sie auf diese Punkte:
- Material. Fragen Sie nach PE statt PVC. PE fühlt sich etwas wachsiger und weicher an, PVC glatter und härter.
- Vollmaterial statt Hohlprofil. Hochwertige Bänder sind massiv; hohle Bänder knicken leichter ein.
- Dichtes, straffes Geflecht. Drücken Sie auf die Sitzfläche. Gutes Geflecht federt zurück, schlechtes gibt nach und bleibt eingedrückt.
- Aluminiumgestell. Es rostet nicht. Stahlgestelle rosten an beschädigten Stellen und hinterlassen braune Flecken im Geflecht.
- Saubere Enden. Die Bandenden sollten unsichtbar vernäht oder verklebt sein, nicht abstehen.
- Polster. Bezüge abnehmbar und waschbar, Schaumstoff schnell trocknend.
Neben dem klassischen Rundgeflecht gibt es Flachband und breite Bänder in Holzoptik oder mit Struktur. Flachbänder wirken moderner, Rundgeflecht klassischer. Beides kann gut oder schlecht verarbeitet sein.
Lounge-Möbel und Kombinationen

Beliebt sind Lounge-Gruppen aus Sofa, Sesseln, Hockern und niedrigem Tisch, die sich wie ein Wohnzimmer im Freien anfühlen. Modulare Sets lassen sich zu Ecksofas oder Liegeinseln kombinieren. Planen Sie großzügig: Eine Lounge-Ecke braucht mehr Platz als eine Essgruppe, und rundherum sollten Sie bequem gehen können. Ideen dafür finden Sie unter Chillen im Garten – Wohnzimmer im Freien.
Rattan lässt sich gut mit anderen Materialien kombinieren: mit Tischplatten aus Glas, Holz oder Keramik, mit Teakholzmöbeln, Leinenkissen und Pflanzen in großen Kübeln. Honigfarbene und naturbraune Töne wirken warm und mediterran, Grau und Anthrazit modern und zurückhaltend. Einen Vergleich mit anderen Materialien bietet der Beitrag Gartenmöbel – aus welchem Material sind am besten?.
Naturmaterial oder Kunststoff: die Umweltfrage
Naturrattan ist ein nachwachsender Rohstoff. Die Kletterpalmen werden in der Regel aus Wäldern geerntet, ohne dass dafür Bäume gefällt werden müssen; nachhaltig genutzt, kann Rattan sogar dazu beitragen, dass sich der Erhalt von Wäldern für die Menschen vor Ort lohnt. Polyrattan dagegen ist ein Erdölprodukt. Es ist zwar grundsätzlich recycelbar, in der Praxis aber nur, wenn Geflecht, Aluminiumgestell und Polster getrennt werden. Am umweltfreundlichsten ist deshalb das Möbel, das lange hält – ob aus Natur- oder Kunststoff. Ein hochwertiges Polyrattanset, das zehn Sommer übersteht, ist besser als drei billige, die nach wenigen Jahren auf dem Sperrmüll landen.
Pflege von Naturrattan
Entfernen Sie Staub regelmäßig mit dem Staubsauger und Bürstenaufsatz oder einem weichen Pinsel, der auch in die Zwischenräume kommt. Flecken behandeln Sie mit milder Seifenlauge und einem gut ausgewrungenen Tuch, anschließend lassen Sie das Möbel an der Luft trocknen – nicht in der Sonne und nicht auf der Heizung. Scharfe Reiniger, Lösemittel und viel Wasser schaden den Fasern. Lackierte Oberflächen können bei Bedarf nachlackiert werden; größere Schäden am Geflecht repariert ein Korbflechter.
Pflege von Polyrattan
Polyrattan ist deutlich unkomplizierter. Staub und Blütenstaub spritzen Sie mit dem Gartenschlauch ab, hartnäckigeren Schmutz entfernen Sie mit warmem Wasser, etwas Spülmittel und einer weichen Bürste. Hochdruckreiniger sind keine gute Idee: Der harte Strahl kann das Geflecht aufrauen und Bänder lösen. Ausführliche Tipps gibt der Beitrag Gartenmöbel aus Polyrattan reinigen und pflegen.
Das Gestell kann über den Winter draußen bleiben, besser unter einem Dach oder einer atmungsaktiven Hülle, damit sich kein Laub und Schmutz im Geflecht festsetzen. Polster und Kissen gehören in die Auflagenbox oder ins Haus; wie Sie sie reinigen, steht unter Reinigung von Auflagen und Sonnenschirmen.
Häufige Fragen
Kann man Rattanmöbel draußen stehen lassen?
Möbel aus Polyrattan ja, auch im Winter. Naturrattan dagegen nicht; es verträgt weder Regen noch Frost und sollte höchstens überdacht im Sommer draußen stehen.
Wie erkenne ich hochwertiges Polyrattan?
An Bändern aus massivem Polyethylen, einem dichten, straffen Geflecht, das nach Belastung zurückfedert, und an einem Gestell aus Aluminium.
Wie lange halten Polyrattanmöbel?
Gute Qualität hält bei normaler Pflege viele Jahre. Billiges PVC-Geflecht wird dagegen oft schon nach wenigen Sommern spröde.
Enthält Polyrattan Weichmacher?
Polyrattan aus Polyethylen braucht keine Weichmacher. Günstigere Geflechte aus PVC enthalten dagegen in der Regel welche.



