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Garten-Ratgeber

Wichtige Arbeiten im Obstgarten im Juli

Obstvon Kathrin Schendel9 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Süßkirschen: Sommerschnitt direkt nach der Ernte
  2. Apfel und Birne: warten, bis die Triebe abschließen
  3. Wasserschosse im Juli ausreißen statt schneiden
  4. Früchte ausdünnen: weniger ist mehr
  5. Anbindungen lockern und schwere Äste stützen
  6. Gießen und Mulchen in der Trockenheit
  7. Beerensträucher nach der Ernte schneiden
  8. Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege
  9. Apfelwickler und andere Obstmaden
  10. Häufige Fragen

Im Juli stehen im Obstgarten vor allem drei Dinge an: Süßkirschen direkt nach der Ernte schneiden, zu dichten Fruchtbehang an Apfel, Birne und Pfirsich ausdünnen und abgetragenes Beerenobst zurückschneiden. Dazu kommen Wasserschosse, die sich jetzt noch leicht ausreißen lassen, das Gießen junger Bäume und ein wacher Blick auf Kirschfruchtfliege und Apfelwickler.

Der Kalender ist dabei nur ein grober Anhalt. Maßgeblich ist, was der Baum gerade tut: Ist die Kirsche abgeerntet, ist der Junifruchtfall beim Apfel vorbei, haben die Triebe eine feste Endknospe gebildet? In warmen Lagen ist das oft zwei bis drei Wochen früher der Fall als in Höhenlagen. Was sonst im Juli im Garten ansteht, fasst der Überblick Der Garten im Juli zusammen.

Süßkirschen: Sommerschnitt direkt nach der Ernte

Die Süßkirsche ist der klassische Kandidat für den Sommerschnitt. Sie wird am besten unmittelbar nach der Ernte geschnitten, also je nach Sorte von Ende Juni bis Anfang August. Im Sommer schließen sich die Wunden rasch, und das Risiko für Gummifluss und holzzerstörende Pilze ist deutlich geringer als bei einem Winterschnitt.

Entfernen Sie zuerst nach innen wachsende, sich kreuzende und steil nach oben strebende Äste. Zu hohe Kronen leiten Sie auf einen tiefer sitzenden, flacher wachsenden Seitenast ab, statt die Spitze einfach zu kappen: Ein Stummel treibt sonst aus mehreren Knospen gleichzeitig neu aus. Schneiden Sie ganze Äste auf Astring, ohne Zapfen stehen zu lassen. Mehr als etwa ein Viertel der Krone sollte in einem Jahr nicht fallen, denn die Blätter werden noch gebraucht, um Reserven für den Winter und die Blütenknospen des nächsten Jahres zu bilden.

Die Sauerkirsche trägt anders als die Süßkirsche vor allem am einjährigen Holz. Bei ihr kürzen Sie die abgetragenen, oft peitschenartig herabhängenden Triebe nach der Ernte auf einen jungen Seitentrieb weiter innen ein. So bildet sich neues Fruchtholz, und die Krone verkahlt nicht. Welche Sorten sich für kleinere Gärten eignen, zeigt Geeignete Süßkirschen-Sorten für den Garten.

Apfel und Birne: warten, bis die Triebe abschließen

Beim Kernobst ist Geduld gefragt. Der eigentliche Sommerschnitt beginnt erst, wenn die diesjährigen Triebe eine Endknospe gebildet haben und nicht mehr in die Länge wachsen, meist ab Ende Juli bis Mitte August. Wer früher kräftig schneidet, regt den Baum zu einem neuen Austrieb an, der bis zum Herbst nicht mehr ausreift und im Winter erfriert.

Im Juli selbst geht es deshalb um Feinarbeit: Entfernen Sie Konkurrenztriebe zur Stammverlängerung, nach innen wachsende Jungtriebe und alles, was Früchte dauerhaft beschattet. Mehr Licht lässt die Früchte besser ausfärben, und das Laub trocknet schneller ab, was Schorf und Mehltau bremst.

Birnbäume wachsen von Natur aus sehr steil. Bei jungen Bäumen können Sie steil stehende Seitentriebe im Sommer mit einer Schnur oder einem Spreizholz flacher stellen. Den großen Aufbau- und Erhaltungsschnitt behandelt der Beitrag Obstbaumschnitt.

Wasserschosse im Juli ausreißen statt schneiden

Wasserschosse sind senkrecht nach oben schießende, dünne Triebe, die vor allem nach einem starken Winterschnitt auf Ästen und am Stamm entstehen. Sie tragen kaum Früchte, beschatten die Krone und entziehen dem Baum Kraft. Solange sie noch weich und grün sind, reißen Sie sie mit einem kräftigen Ruck nach unten ab, statt sie abzuschneiden. Dieser sogenannte Junischnitt oder Juniriss funktioniert bis in den Juli hinein.

Der Vorteil: Beim Abreißen wird der Astring mit den schlafenden Knospen am Triebgrund mit entfernt. Beim Abschneiden bleiben diese Knospen stehen, und im nächsten Jahr wachsen an derselben Stelle gleich mehrere neue Schosse. Sind die Triebe bereits verholzt, nehmen Sie eine scharfe Schere und schneiden direkt am Ansatz.

Früchte ausdünnen: weniger ist mehr

Ein Baum, der zu viele Früchte trägt, kann nicht alle ausreichend versorgen. Die Äpfel bleiben klein, Äste brechen, und der Baum legt kaum Blütenknospen für das nächste Jahr an; viele Apfelsorten tragen dann nur noch jedes zweite Jahr reich.

Noch grüne, dicht hängende Äpfel am Apfelbaum im Hochsommer
Noch grüne, dicht hängende Äpfel am Apfelbaum im Hochsommer

Beim Apfel warten Sie den natürlichen Junifruchtfall ab, bei dem der Baum einen Teil der Früchte von selbst abwirft. Danach lassen Sie je Fruchtbüschel nur ein bis zwei der kräftigsten Früchte stehen, bei großfrüchtigen Sorten nur eine; zwischen den Äpfeln sollten etwa 15–20 cm Abstand bleiben. Beschädigte, verformte und kleine Früchte kommen zuerst weg, oft ist die Mittelfrucht eines Büschels die schwächste. Bei Birnen gehen Sie ähnlich vor.

Pfirsiche und Nektarinen dünnen Sie so aus, dass etwa eine Handbreit Abstand zwischen den Früchten bleibt; sie dürfen sich später nicht berühren, sonst breitet sich Fäulnis von Frucht zu Frucht aus. Bei Zwetschgen und Pflaumen genügt es meist, sehr dicht besetzte Astpartien auszulichten und schwer tragende Äste abzustützen. Bis Mitte Juli sollte das Ausdünnen erledigt sein.

Anbindungen lockern und schwere Äste stützen

Junge Obstbäume legen im Sommer kräftig an Umfang zu. Schnüre, Drähte und Bänder, mit denen Stamm und Äste am Pfahl oder am Spalier befestigt sind, schnüren dann schnell in die Rinde ein. Kontrollieren Sie alle Anbindungen etwa alle zwei Wochen und setzen Sie sie bei Bedarf lockerer. Am schonendsten sind breite, elastische Baumbänder oder weiche Kokosstricke.

Tragen Äste sehr schwer, stützen Sie sie mit Stangen, deren oberes Ende eine Astgabel oder ein gepolstertes Querholz bildet. Das ist besonders bei Zwetschgen und Pflaumen wichtig, deren Holz leicht bricht.

Gießen und Mulchen in der Trockenheit

Ältere Obstbäume mit tiefem Wurzelwerk kommen meist mit ihrem Standort zurecht. Junge Bäume in den ersten drei bis vier Standjahren, Spalierobst an warmen Hauswänden und alle Beerensträucher brauchen dagegen in trockenen Sommern Wasser. Gießen Sie selten, aber durchdringend: bei jungen Bäumen etwa einmal pro Woche 20–40 Liter, am besten in einen Gießrand aus Erde, damit das Wasser nicht wegläuft. Häufige kleine Mengen halten nur die Oberfläche feucht und locken die Wurzeln nach oben.

Wassermangel im Juli zeigt sich nicht nur an schlaffen Blättern, sondern auch an vermehrtem Fruchtfall und kleinen Früchten. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Stroh oder Laub auf der Baumscheibe hält die Feuchtigkeit länger im Boden. Halten Sie dabei eine Handbreit Abstand zum Stamm. Mit stickstoffreichem Dünger ist ab Juli Schluss, damit das Holz bis zum Winter ausreift.

Beerensträucher nach der Ernte schneiden

Bei Beerensträuchern ist der Juli die Zeit des Schnitts nach der Ernte. Bei Sommerhimbeeren schneiden Sie die abgetragenen Ruten bodennah ab; sie sind am Ende der Saison bräunlich und verholzt und lassen sich so gut von den grünen Jungruten unterscheiden. Von den neuen Ruten bleiben je laufenden Meter etwa acht bis zehn kräftige stehen, schwache und zu dicht stehende kommen weg. Herbsthimbeeren schneidet man dagegen erst im Winter. Einzelheiten stehen unter Himbeeren richtig schneiden.

Rote und Weiße Johannisbeeren sowie Stachelbeeren lichten Sie nach der Ernte aus: Triebe, die älter als drei bis vier Jahre und dunkel berindet sind, kommen bodennah heraus, ebenso nach innen wachsende und sich kreuzende Triebe. Ein luftiger Strauch trocknet schneller ab, was bei Stachelbeeren den Amerikanischen Stachelbeermehltau bremst; befallene, weißlich-filzige Triebspitzen schneiden Sie ab. Die Schwarze Johannisbeere trägt am besten am einjährigen Holz. Bei ihr lässt sich Ernte und Schnitt verbinden: Schneiden Sie abgetragene Zweige mitsamt den Beeren über einem kräftigen Jungtrieb ab und pflücken Sie die Früchte bequem am Tisch.

Bei Brombeeren binden Sie die neuen Ruten auf einer Seite des Gerüsts an, die fruchttragenden auf der anderen. So entsteht ein Fächer, und nach der Ernte lassen sich die abgetragenen Ruten sauber herausschneiden. Erdbeeren brauchen nach der Ernte einen Laubschnitt, bei dem das Herz der Pflanze unverletzt bleibt; das beschreibt Die richtige Pflege von Erdbeerpflanzen.

Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege

Madige Kirschen gehen meist auf das Konto der Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi). Sie legt ihre Eier in die Früchte, sobald diese sich von Grün nach Gelb umfärben; die Maden fressen im Fruchtfleisch und lassen sich zur Verpuppung auf den Boden fallen. Im Juli lässt sich für die laufende Saison nur noch wenig ändern, für das nächste Jahr aber viel: Ernten Sie den Baum vollständig ab und sammeln Sie heruntergefallene Früchte auf, damit möglichst wenige Maden in den Boden gelangen. Früh reifende Sorten sind weniger betroffen, weil sie vor dem Hauptflug geerntet werden. Bei kleinen Bäumen helfen im nächsten Frühjahr engmaschige Netze zur Umfärbezeit, Gelbtafeln dienen vor allem zur Kontrolle des Flugs.

Die eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) befällt dagegen reife, weiche Früchte: späte Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Holunder. Befallene Früchte werden weich, fallen ein und riechen säuerlich. Ernten Sie häufig und vollständig, und entsorgen Sie befallene Früchte im verschlossenen Beutel über den Restmüll statt auf dem Kompost. Sehr engmaschige Netze mit einer Maschenweite von unter einem Millimeter halten die Fliegen von Beerensträuchern ab.

Apfelwickler und andere Obstmaden

Der „Wurm“ im Apfel ist meist die Raupe des Apfelwicklers (Cydia pomonella). Sie bohrt sich in junge Früchte, frisst sich zum Kerngehäuse vor und hinterlässt ein Einbohrloch mit krümeligem Kot. In warmen Lagen fliegt im Juli eine zweite Generation. Befallene Äpfel fallen oft vorzeitig ab. Sammeln Sie dieses Fallobst regelmäßig auf, bevor die Raupen es verlassen.

Eine bewährte mechanische Maßnahme sind Fanggürtel aus Wellpappe, die Sie ab Ende Juni etwa 10–20 cm breit um den Stamm legen. Die Raupen suchen darin ein Versteck zur Verpuppung. Kontrollieren Sie die Gürtel alle ein bis zwei Wochen und vernichten Sie die Raupen darin. Meisen fressen große Mengen Raupen; ein Nistkasten im Obstgarten ist deshalb gute Vorbeugung. Wer darüber hinaus spritzen möchte, verwendet ausschließlich ein für den Haus- und Kleingarten zugelassenes Mittel aus dem Fachhandel, bevorzugt ein biologisches, und hält sich genau an die Gebrauchsanweisung. Braune, faulende Früchte mit ringförmigen Schimmelpolstern sind dagegen kein Insektenschaden, sondern Monilia; mehr dazu unter Monilia: Spitzendürre und Fruchtfäule.

Häufige Fragen

Wann schneidet man Kirschbäume im Sommer?

Süßkirschen schneiden Sie direkt nach der Ernte, je nach Sorte von Ende Juni bis Anfang August. Sauerkirschen werden ebenfalls nach der Ernte geschnitten, dabei kürzen Sie abgetragene Triebe auf einen jungen Seitentrieb ein.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Sommerschnitt am Apfelbaum?

Wenn die neuen Triebe eine Endknospe gebildet haben und nicht mehr länger werden, meist ab Ende Juli bis Mitte August. Wasserschosse dürfen schon vorher heraus, solange sie noch weich sind; sie werden ausgerissen statt geschnitten.

Wie viele Äpfel sollte man beim Ausdünnen hängen lassen?

Nach dem Junifruchtfall bleiben je Büschel ein bis zwei Früchte, bei großfrüchtigen Sorten nur eine, mit etwa 15–20 cm Abstand.

Was tun gegen Maden in Kirschen?

Den Baum vollständig abernten, Fallobst aufsammeln und im nächsten Jahr früh reifende Sorten bevorzugen oder kleine Bäume zur Umfärbezeit mit engmaschigen Netzen schützen. Maden in späten, weichen Früchten und Beeren stammen häufig von der Kirschessigfliege; hier helfen häufiges Ernten und sehr feine Netze.

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