Obstbaumschnitt im Februar
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Der Februar ist die klassische Zeit für den Winterschnitt von Apfel- und Birnbäumen sowie von Johannis- und Stachelbeeren. Geschnitten wird an frostfreien, trockenen Tagen, bevor der Saft steigt. Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche und Walnüsse dagegen schneiden Sie besser zu einer anderen Jahreszeit – nicht jeder Obstbaum mag die Schere im Winter.

Warum man Obstbäume überhaupt schneidet
Ein ungeschnittener Obstbaum trägt trotzdem, aber meist anders als gewünscht: Die Krone verdichtet sich, im Inneren wird es schattig, die Früchte bleiben klein und hängen weit oben, und der Baum trägt oft nur jedes zweite Jahr reichlich. Der Schnitt verfolgt drei Ziele. Er baut in den ersten Jahren ein stabiles Kronengerüst auf, er hält die Krone licht und luftig, damit Früchte ausreifen und Blätter nach Regen schnell abtrocknen, und er sorgt dafür, dass laufend junges, fruchtbares Holz nachwächst. Ein luftiger Baum ist außerdem deutlich weniger anfällig für Pilzkrankheiten wie Schorf.
Winterschnitt oder Sommerschnitt?
Die wichtigste Regel betrifft die Wirkung des Zeitpunkts. Ein Schnitt im Winter regt den Austrieb an: Der Baum hat seine Reserven in Wurzeln und Stamm gespeichert und verteilt sie im Frühjahr auf weniger Knospen, die dann umso kräftiger treiben. Ein Schnitt im Sommer bremst dagegen das Wachstum, weil er Blattmasse wegnimmt, die für die Einlagerung von Reserven fehlt.
Daraus folgt: Schwach wachsende Bäume und solche, die neue Triebe bilden sollen, schneiden Sie im Winter. Bäume, die im Vorjahr stark ins Holz geschossen sind und wenig getragen haben, schneiden Sie im Winter nur zurückhaltend und entfernen die überzähligen, steilen Triebe lieber im Sommer. Wer so einen Baum im Februar kräftig zurückschneidet, erntet im Folgejahr vor allem neue Wasserschosse.
Welches Obst wann geschnitten wird
| Obstart | Bester Schnittzeitpunkt | Hinweis |
| Apfel, Birne, Quitte | Januar bis März | bei starkem Wuchs ergänzend Sommerschnitt |
| Süßkirsche | direkt nach der Ernte | Winterschnitt fördert Gummifluss und Infektionen |
| Sauerkirsche | nach der Ernte | abgetragene Triebe zurücknehmen |
| Pflaume, Zwetschge | nach der Ernte oder im Spätwinter | eher zurückhaltend schneiden |
| Pfirsich | kurz vor oder während der Blüte | trägt am einjährigen Holz |
| Walnuss | Spätsommer | blutet im Frühjahr stark |
| Johannis- und Stachelbeere | Februar oder nach der Ernte | alte Triebe bodennah entfernen |
| Kiwi | Spätwinter und Sommer | vor dem Saftanstieg schneiden |
Schneiden Sie nicht bei starkem Frost. Unter etwa −5 °C wird das Holz spröde, die Rinde reißt leicht ein, und Schnittwunden fransen aus. Ideal ist ein trockener, frostfreier Tag, damit die Schnittflächen abtrocknen können.
Die wichtigsten Schnittregeln
- Totes, krankes und beschädigtes Holz zuerst. Alles, was abgestorben ist, Krebsstellen zeigt oder gebrochen ist, kommt als Erstes heraus.
- Konkurrenztriebe entfernen. Wächst neben der Stammverlängerung oder einem Leitast ein zweiter, fast gleich starker Trieb steil nach oben, bleibt nur einer stehen.
- Nach innen und steil wachsende Triebe herausnehmen. Senkrecht aufschießende Wasserschosse und Äste, die ins Kroneninnere wachsen oder sich kreuzen, verdichten die Krone.
- Auf Astring schneiden. Ganze Äste werden direkt am Astring abgenommen, dem leicht verdickten Wulst am Ansatz. Stummel sterben ab und faulen, ein zu tiefer Schnitt in den Stamm verheilt schlecht.
- Auf Außenauge schneiden. Wenn Sie einen Trieb einkürzen, schneiden Sie wenige Millimeter über einer nach außen zeigenden Knospe. Der neue Trieb wächst dann nach außen.
- Ableiten statt kappen. Ist ein Ast zu lang, schneiden Sie ihn auf einen tiefer stehenden, nach außen weisenden Seitenast zurück, statt ihn einfach irgendwo abzuschneiden. Gekappte Äste treiben mit vielen steilen Trieben wieder aus.
- Nicht zu viel auf einmal. Mehr als etwa ein Viertel der Krone sollte in einem Jahr nicht fallen. Stark verwilderte Bäume verjüngen Sie über mehrere Jahre.
Junge und alte Bäume unterschiedlich behandeln
In den ersten vier bis fünf Jahren steht der Erziehungsschnitt im Vordergrund. Ziel ist bei Hoch- und Halbstämmen meist eine Krone aus einer Stammverlängerung und drei bis vier gleichmäßig verteilten Leitästen, deren Spitzen etwa auf gleicher Höhe enden. Die Leitäste werden dabei jährlich eingekürzt, damit sie sich verzweigen und stabil werden. Einzelheiten stehen im Beitrag Obstbaum als Hochstamm erziehen.
Bei tragenden Bäumen geht es dann um den Erhaltungsschnitt: Sie lichten die Krone aus und verjüngen abgetragenes, stark hängendes Fruchtholz, indem Sie es auf einen jüngeren Trieb zurücksetzen. Bei alten, lange nicht geschnittenen Bäumen ist Geduld gefragt. Ein radikaler Rückschnitt in einem Winter führt zu einem Wald aus Wasserschossen. Besser ist es, über drei bis vier Jahre verteilt jedes Jahr einige große Äste zu entfernen. Für Spalierobst gelten eigene Regeln, siehe Spalierbäume.
Beerensträucher und Kiwi im Februar
Johannis- und Stachelbeeren tragen am besten an ein- bis dreijährigen Trieben. Schneiden Sie jedes Jahr die ältesten, dunkel verfärbten Triebe bodennah heraus und lassen Sie dafür kräftige Jungtriebe nachwachsen, sodass ein Strauch insgesamt etwa acht bis zwölf Triebe unterschiedlichen Alters hat. Schwarze Johannisbeeren tragen besonders am einjährigen Holz und werden etwas stärker verjüngt.
Achten Sie bei Johannisbeeren auf auffällig dicke, runde Knospen. Sie sind ein Zeichen für die Johannisbeer-Gallmilbe, die darin überwintert. Brechen Sie diese Rundknospen aus und entsorgen Sie sie im Hausmüll; bei starkem Befall schneiden Sie ganze Triebe heraus. Mehr dazu steht unter Gallmilben erfolgreich bekämpfen. Kiwis werden ab dem ersten Jahr erzogen und im Spätwinter geschnitten, bevor der Saft steigt: Die Seitentriebe, die im Vorjahr getragen haben, kürzt man auf einige Knospen hinter der letzten Frucht ein. Mehr zur Pflanze steht im Beitrag Kiwis aus dem eigenen Garten.
Das richtige Werkzeug
Für dünne Triebe bis etwa 2 cm genügt eine gute Gartenschere. Für den Obstbaumschnitt ist eine Bypass-Schere am besten geeignet: Zwei Klingen schneiden wie eine Haushaltsschere aneinander vorbei und hinterlassen einen glatten Schnitt, der gut verheilt. Amboss-Scheren, bei denen eine Klinge auf eine flache Auflage drückt, quetschen lebendes Holz eher und eignen sich besser für totes, hartes Holz. Für Äste bis etwa 4 cm nehmen Sie eine Astschere mit langen Griffen, für alles Dickere eine Baumsäge mit Zugschnitt.
Entscheidend ist weniger das Modell als der Zustand: Scharfe, saubere Klingen hinterlassen glatte Wunden. Reinigen Sie das Werkzeug zwischen verschiedenen Bäumen, vor allem, wenn Sie kranke Äste geschnitten haben. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, erklärt Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen.
Nach dem Schnitt: Wunden und Stammschutz
Große Wunden sollten die Ausnahme bleiben, denn Äste über etwa 10 cm Durchmesser verheilen schlecht. Das früher übliche Verstreichen der ganzen Schnittfläche mit Wundverschlussmittel gilt heute als überholt: Unter der Schicht kann sich Feuchtigkeit halten, und der Baum schottet die Wunde selbst ab. Wichtiger ist ein sauberer, glatter Schnitt am richtigen Ort. Allenfalls die Ränder großer Wunden können behandelt werden, damit die Rinde nicht austrocknet.
Ein weißer Stammanstrich im Winter schützt junge Bäume vor Frostrissen: An sonnigen Februartagen erwärmt sich die dunkle Rinde auf der Südseite stark, in der folgenden Frostnacht zieht sie sich wieder zusammen und kann aufplatzen. Die helle Farbe reflektiert die Sonne und gleicht die Temperaturschwankungen aus.
Häufige Fragen
Welche Gartenschere ist für den Obstbaumschnitt die richtige?
Eine Bypass-Schere für lebende Triebe bis etwa 2 cm, eine Astschere für Äste bis etwa 4 cm und eine Baumsäge für stärkere Äste. Wichtiger als die Ausführung sind scharfe, saubere Klingen.
Darf man Obstbäume bei Frost schneiden?
Bei leichtem Frost ja, unter etwa −5 °C sollten Sie warten. Das Holz ist dann spröde und reißt leicht ein.
Warum sollte man Kirschen nicht im Winter schneiden?
Kirschen reagieren auf Winterschnitt oft mit Gummifluss und sind anfällig für Infektionen über die Wunden. Nach der Ernte im Sommer verheilen die Schnitte schneller.
Ist der Obstbaumschnitt im Februar erlaubt?
Ja, der Februar liegt vor der Schonzeit, die das Bundesnaturschutzgesetz für radikale Gehölzschnitte vom 1. März bis 30. September vorsieht. Schonende Pflegeschnitte an Obstbäumen sind auch danach erlaubt, etwa der Sommerschnitt. Prüfen Sie immer, ob Vögel im Baum brüten, und bei großen, alten Bäumen, ob Ihre Gemeinde eine Baumschutzsatzung hat.



